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Die Geschichte des Roten Kreuz

Genfer Konventionen und Geschichte

Wo Menschen zusammenleben, sind sie auf Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe angewiesen. Toleranz und Achtung vor dem anderen sind Voraussetzung für ein friedliches Miteinander in der Gemeinschaft. Das muss auch dann gelten, wenn Menschen sich streiten, gleichgültig, ob es sich nur um einen Familienstreit oder um einen Krieg zwischen Staaten handelt.

Die Geschichte der Menschheit zeigt, dass die Menschlichkeit - vor allem in Not- und Kriegszeiten - oft vergessen wird. Das bewegte einen jungen Schweizer Staatsbürger im 19. Jahrhundert dazu, ein humanitäres Werk ins Leben zu rufen, dem er seine ganze Schaffenskraft widmete, sein Vermögen opferte und das ihn schließlich fast in den wirtschaftlichen Ruin trieb: das Rote Kreuz

1859

Jean Henry Dunant wird Augenzeuge der Schlacht von Solferino. Den Opfern der Schlacht begegnete er mehr zufällig auf einer Geschäftsreise. Das Leid von mehr als 40.000 Verwundeten und Sterbenden bestürzt ihn; deshalb hilft Dunant sofort und leitet auch andere Menschen zum Helfen an.

1862

Henry Dunant gibt sein Buch 'Eine Erinnerung an Solferino' heraus. Darin fordert er internationalen Schutz für alle, die nicht am Kampf teilnehmen, aber Hilfe benötigen oder leisten.

Die in dem Buch aufgestellten Forderungen sich auf die Gründung von nationalen Hilfsgesellschaften in allen Ländern und auf ein internationales Abkommen zum Schutz von Verwundeten und Kranken sowie ein einheitliches Zeichen für den Sanitätsdienst im Felde.

1863

Eine erste Folge des weltweiten Echos des Buches ist die Gründung eines Fünfter-Komitees in Genf. (später Internationales Komitee oder IKRK). Ihnen gehören an: Jean Henry Dunant, der Jurist Gustav Moynier, der General Wilhelm Dufour und die Ärzte Dr. Louis Appia und Dr. Theodor Maunoir.

Im gleichen Jahr konnte das Fünfer-Komitee Vertreter von 16 Staaten zu einer Konferenz in Genf zusammenbringen. Die Konferenz endete mit der Gründung des Roten Kreuzes. Gleichzeitig war damit das Zeichen des Roten Kreuzes - ein rotes Kreuz auf weißem Grund - als verbindliches Schutzzeichen für den Sanitätsdienst der Armeen anerkannt ( Umkehrung der Farben des Schweizer Wappens). Den Erfolg verdankte das Komitee nicht zuletzt einer vorangegangenen, auf eigene Kosten von Dunant durchgeführten Reise zu den europäischen Fürstenhöfen. In knapp sechs Wochen legte Dunant eine Eisenbahnstrecke von über 30.000 Kilometern zurück. Die Gründung des Roten Kreuzes hatte zur Folge, dass Dr. Louis Appia für das Genfer Komitee bereits im preußisch-dänischen Krieg 1864 und noch vor Abschluss der Genfer Konventionen mit der Rotkreuz-Armbinde auf preußischer Seite tätig werden konnte. Sein Partner auf dänischer Seite war ein Holländer van de Velde.

1864

Ein erstes Ziel ist erreicht: Zwölf Staaten stimmen den Vorschlägen zur Linderung der Not der Verwundeten, Kranken und Sterbenden zu und unterzeichnen in Genf: Die Genfer Konventionen

Die erste Genfer Konvention wurde in den folgenden Jahrzehnten durch weitere Abkommen der Haager Friedenskonferenz von 1899 und 1907 sowie die Konvention von 1929 erweitert. Alle diese Verträge fanden eine Ergänzung und Zusammenfassung in den vier Genfer Rotkreuz- abkommen vom 12. August 1949:

  1. Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Streitkräfte im Felde
  2. Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten, Kranken und Schiffbrüchigen der Streitkräfte zur See.
  3. Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen
  4. Abkommen zum Schutze von Zivilpersonen im Kriegszeiten

Die Entwicklung dieses humanitären Werkes steht nicht still. Am 10. Juni 1977 wurde die Beratung zweier Zusatzprotokolle abgeschlossen, die die Genfer Konventionen ergänzen. Das 1. Zusatzprotokoll betrifft Schutzbestimmungen für die Opfer in einem internationalen Konflikt, das 2. Zusatzprotokoll den Schutz der Opfer bei innerstaatlichen Konflikten. Die Bundesrepublik Deutschland hat beide Zusatzprotokolle unterzeichnet

Bisher haben 163 Staaten die Abkommen unterzeichnet. Die Abkommen sind Bestandteile des Völkerrechts und gelten in der BRD zugleich als innerstaatliches Recht. In den Abkommen wir deutlich, dass die Menschen in Kriegszeiten nicht nur das Recht auf eigenen Schutz, sondern auch die Pflicht haben, dem Nächsten Schutz und Hilfe zu gewähren.

Artikel 1 aller vier Abkommen lautet:

Die hohen Vertragsparteien verpflichten sich, das vorliegende Abkommen unter allen Umständen einzuhalten und seine Einhaltung durchzusetzen.

Durch dieses Abkommen wollen die Staaten erreichen, dass die Grundsätze der Menschlichkeit auch im Falle bewaffneter Auseinandersetzungen beachtet und die durch den Krieg verursachten Leiden gemildert werden. Ein weiteres aus religiösen Gründen gewähltes und anerkanntes Wahrzeichen ist der Rote Halbmond.