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Wolfgang Heubach
Pressesprecher des DRK-Kreisverbandes Böblingen e. V.


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Zwei Jahre Dream-Clowns: Wenn schwer traumatisierte Flüchtlingskinder wieder lachen können

Zwischenbilanz eines ebenso erfolgreichen wie bislang einmaligen Pilotprojektes - Einen bedeutenden Beitrag zur Integration geleistet

Am Anfang stand vor rund drei Jahren ein Gespräch zwischen Michael Steindorfner, dem Präsidenten des DRK-Kreisverbandes Böblingen und Dr. Bernhard Prestel von TC Team Consult. Dabei ging es um die Frage, ob das Dream-Doctors-Projekt aus Israel auch auf deutsche Kliniken übertragen werden kann - beispielsweise in Rotkreuz-Krankenhäusern. Doch heraus kam ein völlig anderes Projekt. "Denn vor dem Hintergrund, dass zur gleichen Zeit im Jahr 2015 ein Strom von Flüchtlingen, insbesondere aus Syrien, nach Deutschland gekommen war, die oftmals eine lange Flucht hinter sich hatten und zuvor schon Schrecklichstes in ihren Herkunftsländern erlebt und durchgemacht hatten, trieb mich die Frage um, wie wir vor allem den von diesen schrecklichen Erlebnissen im Krieg und auf der Flucht traumatisierten Kindern helfen können", schilderte Michael Steindorfner jetzt bei einer kleinen Zwei-Jahres-Feier im DRK-Zentrum auf dem Flugfeld Böblingen-Sindelfingen die Anfänge dieses landes- und bundesweit bislang einmaligen Pilotprojektes. Deshalb waren sich die beiden Gesprächspartner schnell einig, daß die Dream-Doctors in geradezu hervorragender Weise  dabei helfen könnten, diesen Kindern wieder das Lachen zu lernen.

Unter der Prämisse, Lachen heilt und Zirkus bewegt, erarbeitete der DRK-Kreisverband Böblingen in Workshops gemeinsam mit den Dream- Doctors aus Israel, der Waldhaus gGmbH in Hildrizhausen und TC team Consult die Konzeption für das Projekt "wieder  lachen lernen mit den Dream-Clowns."  Ziel nach den Worten von Präsident Steindorfner: Einen Beitrag dazu zu leisten, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen das Ankommen und Eingewöhnen in  Deutschland zu erleichtern, Kindern wieder ein Selbstwertgefühl zu geben und ihnen den Lebensmut und das Vertrauen zurück zu geben, "daß es auf dieser Welt doch noch so etwas wie Menschlichkeit gibt. Wieder unbeschwert lachen können - wollten und wollen wir diesen Kindern und Jugendlichen ermöglichen." Wovon letzten Endes auch die Eltern profitiert haben.

Steindorfner bezeichnete es Glücksfall, das Waldhaus  wegen seiner weitreichenden Erfahrungen und überragenden Kompetenz, nicht zuletzt auch in der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, als Partner gewonnen zu haben. Doch ohne die Dream-Doctors aus Israel wäre das Projekt nicht vorstellbar gewesen. Sie sind speziell ausgebildete Klinikclowns, in der therapeutischen Unterstützung des klinischen Personals in 29 israelischen Krankenhäusern anerkannt, aber auch im Rahmen der Krisenintervention weltweit gefragt und im Einsatz.

Wie Steindorfner in seiner Zwei-Jahres-Bilanz darlegte, schulten die professionellen Dream-Doctors aus Isael insgesamt 30 Ehrenamtliche aus dem Landkreis Böblingen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Roten Kreuzes und des Waldhauses in insgesamt vier Schulungswochen zwischen November 2016 und März 2018. Seit Ende 2016 sind in verschiedenen Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis Böblingen regelmässig Dream-Clowns im Einsatz - "mit grpßem Erfolg. Weil neben der Sozialkompetenz auch der Umgang mit Konfliksituationen im gemeinsamen Spiel vermittelt wird", betonte Steindorfner. "Auch Sprachbarrieren werden pantomimisch spielnd überwunden". Dies wurde auch in einem Film deutlich, der im Rahmen der Veranstaltung gezeigt wurde.

Präsident Steindorfner verdeutlichte die erfolgreiche Arbeit noch an folgenden Zahlen: Seit 2016 wurden von 23 ehrenamtlichen Clowns regelmässig zwölf Unterkünfte in zehn Städten und Gemeinden des Landkreises Böblingen besucht. Die betreuten Kinder waren durchschnittlich zwischen zwei und 14 Jahre alt. Mit 135 einzelnen Angeboten wurden mittlerweile rund 1600 Kinder und Jugendliche erreicht.

Nicht minder erfolgreich das Aufgabenspektrum des "Dream-Circus": Für dessen Veranstaltungen zeichneten drei hauptamtliche Waldhaus-Mitarbeiter verantwortlich. Die Dream-Circusse fanden einmal pro Woche an Schulen und Kindergärten in acht Gemeinden des Landkreises statt. Insgesamt gab es 25 verschiedene Angebote. Aber nicht nur für Kinder und Jugendliche mit Flüchtlings- oder Migrationshintergrund, sondern auch mit mit deutschen Kindern und Jugendlichen. Insgesamt besuchten 530  Kinder und Jugendliche zwischen drei und 18 Jahren die verschiednen Dream-Circus-Angebote.

Michael Steindorfner dankte in der beschwingt-heiteren Feier, mit brillanten Clownseinlagen, allen, die an an diesem großartigen Erfolg beteiligt waren - doch : Die Projektmittel sind demnächst leider ausgeschöpft." Dennoch ist eine Fortführung  geplant, "weil die geschilderte Arbeit ein sehr wertvoller Beitrag für ein gelungenes Miteinander ist", wie der Präsident unterstrich. Deshalb seine Bitte, dieses "rundum gelungene Pilotprojekt" auch künftig zu unterstützen und zu fördern, "um weiterhin auch einen bedeutsamen gesellschaftspolitischen Beitrag leisten zu können." Zumal bereits geplant ist, das Projekt durch Clownen in Kliniken zu erweitern. Eine entsprechende Kooperation ist bereits mit der Kinderklinik Böblingen eingegangen worden. Außerdem ist eine Mitarbeit der Clowns im ambulanten Hospizdienst angedacht.  Zudem soll den ehrenamtlichen Clowns die Möglichkeit der Supervision eröffnet werden.

Präsident Steindorfner sagte im Rahmen der Veranstaltung allen Einrichtungen und Förderern ein ganz herzliches Dankeschön für die großherzige Unterstützung des Pilotprojektes durch Zuwendungen oder Spenden. Insbesondere sind dies: die Robert-Bosch-Stiftung, der Landkreis Böblingen, die Kreissparkasse, die Volksbank-Stiftung, die Bürgerstiftung Renningen, der DRK-Ortsverein Höfingen, die DRK-Stiftung sowie Einzelpersonen, die namentlich nicht genannt werden wollen.

Der Dank des Präsidenten galt ebenso den ehrenamtlichen Clwons, den beteiligten Mitarbeiterinnen udn MItarbeitern der Projektpartner sowie den Dream-Doctors aus Israel mit "Chefclown" Nimrod Eisenberg an der Spitze. Dieser antwortete wie es sich gehört pantomimisch aber auch mit anerkennenden Worten für seine ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen. Zufrieden und glücklich nicht zuletzt Waldhaus-Geschäftsführer Hans Artschwager. Top auch die "Hanke Brothers", die den passenden musikalischen Akzent gesetzt haben.

20. November 2018 15:24 Uhr. Alter: 21 Tage