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Wolfgang Heubach
Pressesprecher des DRK-Kreisverbandes Böblingen e. V.


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"Rotes Kreuz ist unverzichtbarer Dienstleister der Menschlichkeit im Landkreis Böblingen" - Steindorfner richtet drei dringende Appelle an Landespolitik

"Der DRK-Kreisverband Böblingen ist ein ebenso wichtiger, breit aufgestellter und in vielen Bereichen unverzichtbarer Dienstleister der Menschlichkeit im Landkreis Böblingen. Er steht auf einem festen und soliden wirtschaftlichen, finanziellen und personellen Fundament und hat in seiner Bilanz, zusammen mit den vier hundertprozentigen Tochtergesellschaften, den Umfang eines großen mittelständischen Betriebes erreicht."

Präsident Michael Steindorfner: Drei dringende Appelle an die Landespolitik

Toll gemacht: Präsident Michael Steindorfner und Schatzmeister Wolfgang Frank (links) beim blättern im Jahrbuch 2017, das bei der Kreisversammlung vorgestellt wurde.

Präsident Michael Steindorfner freute sich über viele Gäste. Hier im Gespräch mit Böblingens Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz und dem Bundestagsabgeordneten Marc Biadacz.

Und hier begrüsst Präsident Michael Steindorfner Landtagsvizepräsidentin Sabine Kurtz und Aidlingens Bürgermeister Ekkehard Fauth.

Diese Festellungen traf Michael Steindorfner, Präsident des DRK-Kreisverbandes Böblingen, auf der Kreisversammlung im Bürgerhaus Maichingen.
Steindorfner untermauerte dies auch gleich mit beeindruckenden Zahlen. So gehören dem DRK-Kreisverband Böblingen knapp 1 800 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, über 1 000 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, rund 1 250 Jugendliche ("sie sichern unsere Zukunft") sowie über 24 000 Fördermitglieder an. Und Schatzmeister Wolfgang Frank ergänze in seinem Bericht über das Jahr 2017: "Die DRK-Gruppe, also der Kreisverband mit den Töchtern Altenpflegeheime, Rettungsdienst, Service und Krankentransport und Soziale Dienstleistungen, hat zum Jahresende 2017 eine Bilanzsumme von rund 58,8 Millionen Euro vorzuweisen. Frank sprach wie der Präsident von gesunden Strukturen mit einem kontinuierlichen Wachstum und bezeichnete den Kreisverband mit seinen Tochtergesellschaften als "starken mittelständischen Betrieb." Doch nicht allein das Wachstum sei wichtig, vielmehr habe man auch im 151. Geschäftsjahr "die humanitäre Seite, die Menschlichkeit nie aus den Augen verloren." In diesen Tenor stimmte nicht zuletzt Patrick Binder mit ein. Der Chef des Jugendrotkreuzes stellte dabei in übersichtlicher Form die Rechenschaftsberichte der Bereitschaften, der Arbeitsgemeinschaft Wohlfahrts- und Sozialarbeit im DRK-Kreisverband Böblingen sowie des Jugendrotkreuzes und des Schulsanitätsdienstes vor, der bereits an 52 Schulen im Kreis aktiv ist.

Dennoch plagen das Rote Kreuz auch erhebliche Sorgen. In diesem Zusammenhang richtete Präsident Michael Steindorfner, immer wieder vom starken Beifall der Versammlung unterbrochen, drei dringende Appelle an die Landespolitik in Baden-Württemberg. Steindorfner: "Ob wir im gleichen Umfang und mit gleichem Erfolg für unsere Mitmenschen tätig sein können, oder ob unser Handlungsspielraum in ganz erheblichem Maß eingeschränkt wird - mit gravierenden Auswirkungen auf das soziale Gefüge in unserer Gesellschaft -, das wird unter anderem auch davon abhängen, inwieweit man uns im politischen Bereich nur Schönwetterreden zum Ehrenamt bietet, oder ob man solchen Worten endlich auch mal Taten folgen lässt."

Auf Gleichbehandlung gepocht

Als Erstes sprach der Präsident die Freistellung ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer bei der notwendigen Ausbildung und bei Einsätzen an. Er warf dabei die Frage auf, weshalb es beispielsweise in Bayern möglich sei, daß ehrenamtliche Helfer durch gesetzliche Regelungen besser gestellt werden und dort nicht mehr nur Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren, sondern auch ehrenamtliche Einsatzkräfte von Hilfsorganisationen einen Anspruch darauf haben, für Einsätze bei vollem Gehalt von ihrer Arbeit freigestellt zu werden - in Baden-Württemberg  jedoch nicht. "Dabei sind es in gleichem Maße die Helfer des Roten Kreuzes, die mit ihrem Engagement und Einsatz rund um die Uhr Leben retten und damit für unsere Gesellschaft einen unglaublich wichtigen Dienst leisten". Um dies zu bewerkstelligen, seien die Helfer des Roten Kreuzes bei ihren Einsätzen und ihrer mittlerweile in großem Umfang werktages stattfindenden Ausbildung immer häufiger darauf angewiesen, Urlaub zu nehmen, um den Einsatz leisten zu können. "Ein unzumutbarer Zustand", rief der Präsident des DRK-Kreisverbandes Böblingen unter starkem Beifall aus. Steindorfner, der in dieser Angelegenheit auch alle Landtagsabgeordneten aus dem Kreis Böblingen angeschrieben hatte, appellierte nochmals mit allem Nachdruck an die politisch Verantwortlichen in Baden-Württemberg, sich dieses Anliegens  im Sinne eines wirkungsvollen Schutzes der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, aber auch im Sinne einer Gleichbehandlung aller Rettungskräfte endlich anzunehmen.

Für praktikable Lösungen geworben

Riesige Sorgen bereitet dem Roten Kreuz auch die neue Landesheimbauverordnung, die zum 1. September 2019 in Kraft tritt. Steindorfner bekräftigte, deren Zielsetzung zui teilen, nur müsse es einen dauerhaften Bestandsschutz für die bereits mit Fördermitteln gebauten, nach den damaligen Rechtsvorschriften genehmigten und bestens funktionierenden Heimen geben. Der DRK-Kreisverband Böblingen sei mit elf Altenpflegeheimen größter Heimträger im Landkreis und habe eine Pionierrolle bei der Einrichtung wohnortnaher Kleinpflegeheime gespielt. Überdies habe der DRK-Kreisverband, lange ehe es überhaupt gesetzliche Regelungen gab, seine Heime seit über zehn Jahren freiwillig durch ein bundesweit anerkanntes Qualitätsprüfungsunternehmen regelmässig auf Herz und Nieren prüfen lassen. "Dabei wurde uns stets eine Betreuungsqualität auf höchstem Niveau attestiert. Mit dem Erfolg, daß unsere Heime ausgebucht sind, weil uns die betroffenen Menschen und ihre Angehörigen ihr Vertrauen schenken und weil sie wissen, daß sich auch die Preisgestaltung in einem annehmbaren Rahmen bewegt."

Neben der in der Öffentlichkeit diskutierten Einzelzimmerfrage würden die vor Jahren auch vom Land genehmigten und geförderten Einrichtungen durch andere Vorgaben in ihrem Betrieb massiv gefährdet. Denn viele Bestandsbauten liessen eine Umsetzung dieser Vorgaben - wenn überhaupt - nur mit immensen finanziellen Mitteln zu. Dies sei eine Vernichtung von Geldern, und dringend benötigten Pflegeplätzen und verteuere massiv die Pflege. Bei einer rigorosen Umsetzung der Landheimbauverordnung zum 1. September 2019 müsste eines der DRK-Pflegeheime im Kreis, das sich in gutem Zustand befinde, möglicherweise sogar abgerissen werden. Eine solche Konsequenz sei weder aus menschlichen noch aus wirtschaftlichen Gründen zu verantworten. Steindorfner appellierte aus den genannten Gründen zum wiederholten Mal an die Landespolitik, aber auch an die nachgeordneten Behörden, für praktikable Lösungen zu sorgen. Er warb für unbürokratische Übergangslösungen, da bekanntlich die Nachfrage nach Heimplätzen in Anbetracht der demografischen Entwicklung ständig im Steigen begriffen sei. "Es darf doch auch im wohlverstandenen sozialen gesellschaftspolitischen Interesse nicht soweit kommen, daß sich nur noch finanziell gut gestellte Menschen einen Heimplatz leisten können."

Rechtssicherheit auch im Land gefordert

"Dringend notwendig" sei ferner eine landesweit einheitliche Regelung für die Handlungskompetenzen der Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter. Immerhin seien bereits fast fünf Jahre seit dem Inkrafttreten des Notfallsanitätergesetzes in Baden-Württemberg verstrichen, beklagte Präsident Steindorfner. Anders als in Thüringen, denn dort habe der Freistaat durch ein Gesetz vom Juli 2018 für klare Verhältnisse und damit Rechtssicherheit gesorgt. "Was in Thüringen möglich ist, sollte aber auch bei uns in Baden-Württemberg zu schaffen sein." Steindorfner forderte deshalb die in Thrüringen vorgenommenen Änderungen umgehend und uneingeschränkt auch in Baden-Württemberg gesetzlich zu verankern.

Entlastung erteilt - Grußworte

Nachdem Kassenprüfer Gerhard Weißenböck "keinerlei Beanstandungen" festgestellt  hatte, billigte die Kreisversammlung mit jeweils überwältigender Mehrheit die  Jahresrechnung und erteilte dem Präsidium mit Schatzmeister Entlastung.

In einem Grußwort - auch im Namen seiner Landtagskollegin und Landtags-Vizepräsidentin Sabine Kurtz - riet der Bundestagsabgeordnete Marc Biadacz, mit mehr Gelassenheit an Themen heranzugehen, warb für das Fachkräftezuwanderungsgesetz und bot an, im ersten Quartal des nächsten Jahres ein Gespräch mit dem DRK-Kreisverband und seinen Gliederungen zu führen.

Martin Wuttke, Erster Landesbeamter im Landratsamt Böblingen, sprach von einer immensen Arbeit, die das Rote Kreuz im Kreis Böblingen leiste. Er bezeichnete dabei das Rote Kreuz als "wichtige Stütze des sozialen Friedens" und bedankte sich für eine gute und vertrauensvolle Partnerschaft.

Dr. Bernd Vöhringer dankte in seiner Eigenschaft als Sindelfinger Oberbürgermeister allen Rot-Kreuz-Angehörigen für ihr großartiges Engagement: "Sie sind jeden Tag für die Menschen da !"

Gastgeber Andreas Schneider-Dölker, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Maichingen, sprach in seinem Grußwort von einem lebendigen Vereinsleben in diesem Stadtteil, in dem das Rote Kreuz mit 25 Aktiven einen festen Platz einnehme. Zugleich lobte er die kameradschaftliche Kooperation mit den Sindelfinger Rot-Kreuz-Angehörigen. Diese gute Kooperation fand nicht zuletzt beim traditionellen Imbiß vor Beginn der Kreisversammlung ihre Bestätigung.

17. October 2018 15:24 Uhr. Alter: 32 Tage