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Wolfgang Heubach
Pressesprecher des DRK-Kreisverbandes Böblingen e. V.


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"Pflegekräfte werden zunehmend ihrer Aufgabe beraubt - statt zu pflegen müssen sie immer mehr verwalten"

"Die Politik hat oftmals gute Anregungen und Ideen, doch die werden dann in der Umsetzung unnötig kompliziert gemacht", konstatierte Andreas Nowack, Geschäftsbereichsleiter Soziale Dienste im DRK-Kreisverband Böblingen. Sein Adressat: Der Böblinger CDU-Bundestagsabgeordnete Marc Biadacz, der sich kürzlich über die Häusliche Pflege im Rahmen seiner Sommertour durch den Wahlkreis bei den kompetenten Fachkräften des DRK-Kreisverbandes informierte.

Einen "Rucksack" voll Informationen für Berlin beim DRK erhalten: Bundestagsabgeordneter Marc Biadacz (links) mit Monique Groenewegen und Andreas Nowack.

Nowack machte in dem Gespräch auch keinen Hehl daraus, wem seine Kritik in dem Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten galt: Den Krankenkassen. "Das ist für uns ein Dauerproblem", unterstrich Nowack. DRK-Pflegedienstleiterin Monique Groenewegen untermauerte dies mit den Worten: "Unsere Pflegekräfte stehen unter einem enormen Zeitdruck, denn immer neue Verwaltungsvorschriften gehen zu Lasten der Pflege und damit zu Lasten der Patientinnen und Patienten!"

Monique Groenewegen sagte, Ziel der Häuslichen Pflege sei es, Betroffene so lange wie möglich in  ihrer vertrauten Umgebung, also den eigenen vier Wänden, zu lassen. Dies sei auch der Wunsch der Menschen. Deshalb gebe es gerade im ambulanten Bereich eine steigende Zahl von Betreuungsanfragen, doch das vorhandene, "unheimlich motivierte" Team sei ausgelastet, der qualifizierte Fachkräfte-Markt leergefegt.

"Was kann Abhilfe schaffen?", fragte Marc Biadacz. Andreas Nowack antwortete unter Verweis auf sein Eingangs-Statement: "Unsere Pflegekräfte werden zunehmend ihrer eigentlichen Aufgabe beraubt, nämlich zu pflegen. Stattdessen müssen sie immer mehr verwalten." Wichtig für ihn deshalb ein spürbarer Bürokratie-Abbau, neue Konzepte, um die Pflegeberufe attraktiver zu machen sowie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Nowack und Groenewegen verwiesen in diesem Zusammenhang auf ihre Praxiserfahrungen: "Wir haben ein gutes Team, eine gute Atmosphäre und hoch motivierte Mitarbeiter, die ihren Beruf lieben und eine Einsatzbereitschaft tagtäglich zeigen, die über ihre Kräfte hinausgeht." Neben einer Überalterung geselle sich deshalb im Pflegedienst in zunehmendem Maße eine Burn-out-Situation hinzu.

Der Bundestagsabgeordnete erwies sich als aufmerksamer Zuhörer und betonte, "nicht nur alle vier Jahre zu kommen", sondern das ständige Gespräch in seinem Wahlkreis zu suchen. Wo "der Schuh" drückt, in diesem Fall in der Häuslichen Pflege, erfuhr er sehr anschaulich von Andreas Nowack und Monique Groenewegen. Beide sorgten mit ihren Argumenten außerdem dafür, das Marc Biadaczs Eingangsfrage "was können Sie mir für meinen Rucksack nach Berlin mitgeben?", reichlich erfüllt wurde. Gewichtiges Gepäck, das sicherlich nicht zuletzt für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, den Fraktions- und Parteikollegen von Marc Biadacz, von Interesse sein dürfte.

6. September 2018 15:24 Uhr. Alter: 73 Tage