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Wolfgang Heubach
Pressesprecher des DRK-Kreisverbandes Böblingen e. V.


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Zum Tod von Reinhard Müller: Eine prägende Persönlichkeit im Roten Kreuz mit beispielgebendem, lebenslangem sozialen Handeln in der Gesellschaft

Das Rote Kreuz trauert um Reinhard Müller (Deckenpfronn), der im 76. Lebensjahr unerwartet verstorben ist. Michael Steindorfner, Präsident des DRK-Kreisverbandes Böblingen, würdigt in einer Pressemitteilung Reinhard Müllers 56-jähriges Wirken im Roten Kreuz mit bewegten Worten: "Reinhard Müller hat lebenslang ein ausgeprägtes Bewusstsein für soziale Verantwortung und soziales Handeln ebenso ausgezeichnet, wie er die Werte unseres Gründers Henry Dunant, nämlich Humanität, Mut und Zivilcourage sowie Solidarität in beispielgebender Weise in die Tat umgesetzt hat.

Reinhard Müller

Um die Rot-Kreuz-Bewegung hat er sich bleibende Verdienste erworben. Sein Vermächtnis werden wir bewahren und seine Vorbildfunktion an kommende Generationen weitergeben. Wir verlieren in Reinhard Müller eine prägende Persönlichkeit. Auch für unsere Gesellschaft ist sein Tod ein großer Verlust. Seiner Frau und seinen Familienangehörigen spreche ich meine tiefempfundene Anteilnahme aus."

Reinhard Müller trat im Jahr 1962 in das Deutsche Rote Kreuz ein und wurde bald als Fachhelfer im Funk- und Fernmeldedienst im DRK-Kreisverband Ulm aufgenommen. In der Zeit bis 1969 war er berufsbedingt in verschiedenen Kreisverbänden des Roten Kreuzes tätig, seit 1969 ist er für den DRK-Kreisverband Böblingen in vielfältiger und herausragender Weise ehrenamtlich tätig.

Von 1992 bis 2012 hatte Reinhard Müller das Amt des Rotkreuzbeauftragten inne, in das er bereits 1989 als Stellvertreter berufen wurde. Er war in dieser Zeit auch Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes und ist ebenfalls seit dieser Zeit ununterbrochen Präsidiumsmitglied des DRK-Kreisverbandes Böblingen in den verschiedensten Positionen.
 
Reinhard Müller erkannte schon in seinen frühen Jahren als Rotkreuzmitglied die Notwendigkeit, Mitmenschen für die Idee Henry Dunants zu begeistern. So war es für ihn selbstverständlich, sich bereits im Jahr 1970 als Gruppenführer im DRK-Kreisverband Ulm und im Jahre 1974 als Zugführer im DRK-Kreisverband Böblingen zur Verfügung zu stellen, nachdem er in seiner Freizeit die erforderlichen Schulungen an der DRK-Landesschule in Pfalzgrafenweiler absolviert hatte. Mehrere Dutzend Rotkreuzfreiwillige erlebten unter seiner engagierten und sachkundigen Führung, welche persönliche Erfüllung es bereitet, Menschen in Not zu helfen.

DRK-Ortsverein Deckenpfronn gegründet

Im Jahre 1974 gründete er in seinem Wohnort Deckenpfronn den DRK-Ortsverein und führte dort über 25 Jahre die örtliche DRK-Bereitschaft. Für ihn war es von Anfang an wichtig, nicht nur die klassischen Dienste, wie die sanitätsdienstliche Absicherung von Veranstaltungen zu bestreiten, sondern die Mitglieder auch durch neue Ideen und interessante Aktivitäten zu begeistern.
 
Reinhard Müller wollte nicht nur selbst die Fähigkeit zur Ersten-Hilfe-Leistung besitzen, ihm war von Beginn seiner Tätigkeit im DRK an klar, dass man hier auch weite Teile der Bevölkerung erreichen muss. Daher absolvierte er bereits im Jahr 1974 einen Lehrgang zum Erste-Hilfe-Ausbilder an der DRK-Landesschule Pfalzgrafenweiler. Für ihn war die Erste Hilfe der wichtigste Bestandteil der Rettungskette. "Nur durch einen möglichst hohen Anteil an ausgebildeten Ersthelfern können Folgeschäden der Patienten vermieden werden", lautete sein Credo.

Deshalb initiierte er bereits im Jahre 1980 den „Deckenpfronner Koronar-Check“, eine Kampagne zum Blutdruckmessen und allgemeiner Aufklärung über die Folgen des Herzinfarkts für die Bevölkerung, welche über Jahre hinweg erfolgreich im Landkreis Böblingen veranstaltet wurde. Höhepunkt war die Verleihung des ersten Preises des Bundeswettbewerbs „Gesundheit für alle“ an den DRK-Ortsverein Deckenpfronn durch Bundespräsident Richard v. Weizsäcker und den Präsidenten den DRK, Botho Prinz zu Sayn-Wittgenstein. Die Kampagnenarbeit um die Gesundheit der Bevölkerung wurde von Reinhard Müller weiter intensiv und mit sehr hohem Engagement innerhalb seines Orts- und Kreisverbandes weitergeführt. Im Jahre 1996 trat seine Bereitschaft im Rahmen der Aktion „Taten für mehr Menschlichkeit“ erneut in das Licht der Rotkreuzöffentlichkeit. Aus den Händen des damaligen Präsidenten Prof. Knut Ipsen haben er und seine Rotkreuzkameraden in Berlin eine Dankesurkunde entgegen genommen.
 
In seiner führenden Funktion als Rotkreuz- und Katastrophenschutzbeauftragter, die er von 1989 bis zum Jahre 2012 ausführte, übernahm er bei zwei Neustrukturierungen des Katastrophenschutzes Ende der 1980er, sowie Anfang der 2000er Jahre auf Grund seiner jahrzehntelagen Erfahrung eine wegweisende Rolle als fachkundiger und gefragter Berater des Landratsamtes Böblingen. Im Auftrag des Präsidiums setzte er diese Umstrukturierung bei den Einheiten des DRK-Kreisverband Böblingen e. V. um.

Vizepräsident des DRK-Landesverbandes

Im Jahre 1995 erklärte er sich bereit, das Amt des ehrenamtlichen ständigen Vertreters des Landeskatastrophenschutzbeauftragten im DRK-Landesverband Baden-Württemberg e.V. zu übernehmen, welches er bis 2006 innehatte. In dieser Zeit verstand er es hervorragend, gemeinsam mit den jeweiligen Amtsinhabern an der Spitze des verbandlichen, planerischen DRK-Katastrophenschutzes sowie mit dem zuständigen Referat des Innenministeriums einen regelmäßigen, fachlichen Gedankenaustausch zu pflegen und die Interessen des DRK wahrzunehmen.

Im Jahre 2002 wurde Reinhard Müller zu einem der drei Vizepräsidenten des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg gewählt.  Dieses Amt hatte er bis 2006 inne. Er unterstützte in dieser Zeit den Präsidenten, Staatssekretär a.D. Dr. Lorenz Menz in hohem Maße, indem er viele Besuche und Termine vor Ort wahrnahm.
 
Reinhard Müller wirkte ferner mit dem ihm eigenen Engagement im ehrenamtlichen und von der Aktion Mensch geförderten Projekt „Aufbau, Förderung und Weiterentwicklung aktiver Arbeit in der örtlichen Rotkreuzgemeinschaft“ mit. Er gehörte einem 15-köpfigen Team von erfahrenen Rotkreuz-Organisationsberatern an, die immer zu zweit einen Beratungsauftrag bei einer örtlichen Gliederung übernahmen, um den dortigen Führungs- und Leitungskräften Beratung und Beistand anzubieten. Für ihn war es selbstverständlich, seine langjährige Erfahrung auch in Schwierigkeiten geratenen Rotkreuzverbänden anzubieten.
 
Dieses Engagement spiegelte sich auch in seiner Arbeit für den Kreisverband wieder, als beim Ortsverein Grafenau für die Funktion des ersten Vorsitzenden im Jahr 2009 kein Nachfolger gefunden wurde. Es war für ihn selbstverständlich, dass er zuerst als Notvorsitzender und später als gewählter Vorsitzender das Amt bis zum Jahre 2012 übernahm, um es dann wieder in jüngere Hände zu übergeben. Als es im Jahre 2016 erneut zum Rücktritt des Vorsitzenden des OV Grafenau kam, war es für ihn ganz selbstverständlich, im Auftrag des Präsidiums bis zur Neuwahl eines Vorsitzenden die Leitung des Ortsvereins zu übernehmen.

DRK-Hilfsprojekt in Litauen großherzig unterstützt

Reinhard Müller war beruflich jahrelang an führender Position bei einem weltweit agierenden Hersteller von Digitaldruckgeräten tätig. Davon partizipierten zahlreiche Lehrschriften, Broschüren und sonstige Drucksachen  für das Deutsche Rote Kreuz. Großzügig unterstützte er zudem das Hilfsprojekt „Medicina Andina“ des DRK-Landesverbandes mit der Herstellung von Benefizkarten mit Kinderbildmotiven.
 
Bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand übergab er dem DRK-Kreisverband Böblingen e.V. eine persönliche Spende in Höhe von 12.500 Euro für ein Hilfsprojekt des DRK-Kreisverbandes Böblingen e.V. in Litauen. Unvergessen ausserdem seine aktive Mitarbeit am Aufbau eines leistungsstarken Katastrophenschutzes in Litauen.

Mit Eintritt in den Ruhestand im Jahre 2010 hatte sich Reinhard Müller innerhalb des DRK-Kreisverbandes Böblingen ein neues Betätigungsfeld als ehrenamtlicher Betreuer gesucht. Dabei übernahm er die Betreuung zweier bedürftiger Personen im Rahmen des Betreuungsgesetzes und setzte sich bis zuletzt  unermüdlich und viel Herzblut, wie es Präsident Steindorfner einmals ausdrückte,  für seine betreuten Mandanten ein.

Hohe Ehrungen

Für sein nahezu universelles Wirken im Roten Kreuz sollte Reinhard Müller am 8. Mai 2018 mit dem Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes, der höchsten zu vergeben Auszeichnung,  geehrt werden. Dazu ist es auf Grund einer schweren Erkrankung nicht mehr gekommen. Im Mai 2013 erhielt Reinhard Müller aus den Händen des damaligen baden-württembergischen Innenministers Reinhold Gall das Bundesverdienstkreuz.

29. May 2018 11:00 Uhr. Alter: 27 Tage