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Wolfgang Heubach
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Rotes Kreuz kämpft für humanitäres Völkerrecht - Dr. Schulz mit Henry-Dunant-Plakette ausgezeichnet

Ein Schwerpunkt der Jahreshauptversammlung des DRK-Kreisverbandes Böblingen in der Gemeindehalle Weil im Schönbuch war ein Vortrag von Dr. Hermann Schulz, ehrenamtlicher Konventionsbeauftragter des DRK-Kreisverbandes Böblingen, unter dem Titel "Von Nürnberg nach Den Haag". Darin beschäftigte sich Dr. Schulz mit der Geschichte der internationalen Strafgerichtsbarkeit, den Grundgedanken des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz sowie dem Humanitären Völkerrecht.

Präsident Michael Steindorfner überreicht Dr. Hermann Schulz die Henry-Dunant-Plakette.

Der Konventionsbeauftragte reicherte seinen Vortrag mit historischen und zeitgenössischen Ton-, Bild- und Filmdokumenten an, die in teilweise dramatischer Weise zeigten, wie das humanitäre Völkerrecht in den Kriegsgebieten vor allem des Nahen und Mittleren Ostens sowie in Teilen Afrikas  im wahrsten Sinne des Wortes mit Füssen getreten wird.

Maßgeblichen Anteil am Zustandekommen der Genfer Konvention hatten Rote-Kreuz-Gründervater Henry Dunant sowie der Genfer Jurist Gustave Moynier, der die Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz angeregt hatte. Moynier forderte bereits damals die Ahndung von Verstössen gegen die Konvention durch ein unabhängiges internationales Strafgericht. Doch es war noch ein schwieriger Weg dorthin. Erst nach dem Selbstverständnis des Nürnberger Militärtribunals nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, sollte nicht Rache, sondern Gerechtigkeit geübt werden und als Modell für die Zukunft gelten. Anhand historischer Dokumente erläuerte Dr. Hermann Schulz dabei die Straftatbestände. Nach den so genannten "Nürnberger Prinzipien" sollte jede Person, die ein völkerrechtliches Verbrechen begeht, hierfür starfrechtlich verantwortlich sein.

Doch dieser Gedanke scheiterte in den folgenden Jahrzenten zunächst.

Zwei Ereignisse, die Massaker in ehemaligen Jugoslawien und der internationale Strafgerichtshof für Ruanda führten dann nach dem Rom-Statut vom 17. 7. 1998 zur vertraglichen Grundlage zur Errichtung des internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag, der am 1. 7. 2002 seine Tätigkeit aufnahmt.

Der Konventionsbeauftragte des DRK-Kreisverbandes Böblingen erläuterte übersichtlich und verständlich die Arbeitsweise dieses Gerichts. Ein Anfang sei gemacht, doch Dr. Schulz beklagte eine mangelnde Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Kooperation. Auch sei zu befürchten, dass Zeugen, die in Den Haag aussagen würden, in ihren Heimatländern grösste Schwierigkeiten bekommen könnten. Trotz einer Akzeptanzkrise und der Tatsache, dass die Arbeit des Gerichts noch in den Anfängen stecke, müsse alles, was an Kriegsverbrechen geschehe, der Weltgemeinschaft in einem geordneten Prozeß publik gemacht werden.Michael Steindorfner, Präsident des DRK-Kreisverbandes Böblingen, wies nachdrücklich auf die Verpflichtung des Roten Kreuzes hin, den Gedanken des humanitären Völkerrechts  in der Gesellschaft zu verbreiten. Nach Paragraf 2 der Satzung nehme das Deutsche Rote Kreuz e. V.  als freiwillige Hilfsgesellschaft für die deutschen Behörden im humanitären Bereich die Aufgaben wahr, die sich aus den Genfer Rotkreuz-Abkommen von 1949, ihren Zusatzprotokollen und dem DRK-Gesetz ergeben. Zu diesen Aufgaben gehörten insbesondere die Verbreitung von Kenntissen über das humanitäre Völkerrecht. Diesem Auftrag werde man im Blick auf die aktuelle Weltlage im DRK-Kreisverband Böblingen weiterhin nachkommen. Denn: "Verbrechen gegen die Menschlichkeit dürfen nicht ungesühnt bleiben !"

Zum Bedauern von Präsident Michael Steindorfner war dies der letzte öffentliche Auftritt des ehrenamtlichen Konventionsbeauftragten, denn Dr. Hermann Schulz führt nach über sechsjähriger Tätigkeit aus persönlichen Gründen sein Amt nicht mehr weiter. In Würdigung seiner Verdienste zeichnete Präsident Steindorfner den scheidenden Konventionsbeauftragten des DRK-Kreisverbandes mit der Henry-Dunant-Plakette aus. Steindorfner sagte, Dr. Schulz habe sich seiner Aufgabe mit großer Leidenschaft verschrieben. Auf ihn und sein Wirken treffe zu, was einst der Theologe und Philiosoph Augustinus von Hippo ausgeführt habe: "Was du in anderen entzünden willst, muss in dir selbst brennen."

26. October 2017 13:54 Uhr. Alter: 47 Tage