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Wolfgang Heubach
Pressesprecher des DRK-Kreisverbandes Böblingen e. V.


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Hervorrangende Bilanz gelebter Menschlichkeit - Jahreshauptversammlung 2017

"Das Rote Kreuz im Landkreis Böblingen ist ein sehr kompetenter und engagierter Aktivposten menschlicher Hilfe und Unterstützung und damit ein nicht mehr wegzudenkender, anerkannter Teil unserer Gesellschaft." Diese Feststellung traf Michael Steindorfner, Präsident des DRK-Kreisverbandes Böblingen, bei der Jahreshauptversammlung seines Verbandes in der Gemeindehalle Weil im Schönbuch.

Vor den rund 300 Delegierten der 24 Ortsvereine des Kreisverbandes sowie zahlreichen Gästen befreundeter Hilfsorganisationen, aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Verbänden erklärte Steindorfner, das Jahr 2016 sei für den DRK-Kreisverband Böblingen ein außergewöhnliches und geschichtsträchtiges Jahr gewesen, das ganz im Zeichen des 150-jährigen Bestehens des Roten Kreuzes im Landkreis Böblingen stand. "Ein Meilenstein, der dem Jahr sein ganz besonderes Gepräge gegeben hat und bei sehr vielen Menschen in unserer Region noch lange in guter Erinnerung bleiben wird. Der DRK-Kreisverband Böblingen zählt damit zu den ältesten Rot-Kreuz-Organisationen überhaupt. Darauf können wir einerseits sehr stolz sein, andererseits verpflichtet uns diese Tatsache in besonderer Weise dazu, das Vermächtnis von Henry Dunant nicht nur zu wahren, sondern es zugleich durch die Wirrnisse der Zeit an kommende Generationen weiter zu geben und so am Leben zu erhalten", unterstrich der Präsident.

Michael Steindorfner zeigte sich im weiteren Verlauf seiner Rede erfreut darüber, daß durch sorgfälig vorbereitete örtliche Aktionen die Zahl der Fördermitglieder des Roten Kreuzes im Landkreis Böblingen wieder im Steigen begriffen sei und mittlerweile die Zahl von 24 000 überschritten habe. Bedingt durch den demografischen Wandel sei die Zahl der Fördermitglieder gesunken, nun habe man diese Entwicklung nicht nur stoppen, sondern den Trend sogar umkehren können.

Als eine tragende Säule des Roten Kreuzes bezeichnete Steindorfner den Rettungsdienst. "Seine Kompetenz und hohe Qualität sind unbestritten. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen haben wir zusammen mit den anderen Hilfsorganisationen im Berichtsjahr die Versorgung auch angesichts bundesweiter Personalengpässe weiter optimieren können. Hierzu trägt auch die inzwischen hohe Anzahl von auszubildenden Notfallsanitätern bei."
 
Erfreulich sei auch die erfolgreiche Zertifizierung des Qualitätsmanagements des DRK-Rettungsdienstes im Landkreis Böblingen. Die Leistungsfähigkeit des Rettungsdienstes habe zudem ein Team bei einem internationalen Wettbewerb im Vergleich mit 35 Mannschaften aus vier Nationen vor kurzem erst eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
 
"In diesem Jahr werden wir auch bei den Hilfsfristen für die Rettungswagen die gesetzlichen Vorgaben einhalten können. Für den notärztlichen Versorgungsbereich wurden vor wenigen Tagen im Bereichsausschuss die erforderlichen Beschlüsse gefasst. Diese müssen jetzt unter anderem von den Krankenhäusern, die die Notärzte stellen, umgesetzt werden", sagte der Präsident weiter. "Wir sind also alles in allem gesehen auf einem guten Weg. Sorge bereitet uns aber nach wie vor die finanzielle Seite. Hier haben wir noch eine sicherlich nicht einfache Wegstrecke vor uns. Auch die Kostenträger dürfen dabei eines nicht außer Acht lassen: In letzter Konsequenz geht es immer um die Rettung von Menschenleben. Hier zählt bekanntlich jede Sekunde. Wir werden alles uns Mögliche tun, hier optimale Hilfe zu leisten", betonte Michael Steindorfner.
 
"Endlich kostendeckende Entgelte" gefordert

Große Sorgen bereitet nach den Worten des Präsidenten auch der Krankentransport, bei dessen Finanzierung der DRK-Kreisverband eine gehörige "Schieflage" habe. "Wir benötigen zur Kostendeckung eines Krankentransports mindestens 111 Euro, angeboten werden von den Kostenträgern jedoch lediglich 79 Euro. Das ist untragbar, zumal sich die Situation in Baden-Württemberg ganz erheblich von der Praxis in anderen Bundesländern unterscheidet." Als Beispiel führte Steindorfner einen Rettungsdienstbereich in Nordrhein-Westfalen an, in dem 270 Euro für einen  Krankentransport erstattet würden. Bei den dem DRK-Kreisverband  zugestandenen Tarifen von nur 79 Euro bleibe hingegen ein erhebliches Defizit hängen. Das dürfe auch der Politik in unserem Land nicht gleichgültig sein, zumal diese Tarife in NRW auch noch von den Versicherten in Baden-Württemberg mitfinanziert würden und bei uns dann aber das Geld für einen funktionierenden Krankentransport fehle. "Für die Patienten entstehen  so unzumutbare Wartezeiten im Krankentransport von zum Teil bis zu vier Stunden. Wir sehen uns aber aufgrund der Kostensituation als Leistungsträger zunehmend gezwungen, unsere Angebotszeiten an die finanziellen Rahmenbedingungen anzupassen."
 
So wie bislang gehe es jedenfalls nicht weiter, stellte der Präsident mit allem Nachdruck fest.  Die Zeit zum Handelns sei  reif. Das Rote Kreuz habe für diese Aufgaben hoch qualifizierte und hoch motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die erforderlichen Einrichtungen. "Was wir brauchen, sind endlich kostendeckende Entgelte, die diesen Namen auch verdienen."


Präsident Steindorfner sprach in diesem Zusammenhang noch einen weiteren wichtigen Punkt an:  Die Freistellung ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer bei Einsätzen unterhalb der Katastrophenschwelle. Das Fehlen einer gesetzlichen Regelung entwickle sich nicht nur im Roten Kreuz immer mehr zu einem Problem. Zahlreiche Betriebe und Firmen seien nicht mehr bereit, entsprechende Freistellungen von Ehrenamtlichen, sei es zur Organisation der Blutspendetermine, zu Einsätzen als Helfer vor Ort und einigem anderen mehr, zu akzeptieren. In Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz sowie in Bayern habe man daraus zu Recht die notwendigen Konsequenzen gezogen und diese Frage auf Landesebene gesetzlich geregelt. So müssten in den genannten Ländern auch ehrenamtlich tätige Angehörige des Roten Kreuzes oder anderer Hilfsorganisationen für Einsätze unterhalb der Katastrophenschwelle frei gestellt werden. Hier werde also ganz im Sinne der Menschen gehandelt, wenn Unvorhergesehenes über sie hereinbrechen und sie auf Hilfe hoffen würden.

Solche gesetzlichen Regelungen für ehrenamtliche Helferinnen und Helfer seien deshalb auch in Baden-Württemberg dringend notwendig. Damit in Einsätzen unterhalb der Katastrophenschwelle die gesamte Rettungskette greifen könne: Von der Feuerwehr bis zum Roten Kreuz. Das diene nicht zuletzt der notwendigen Klarheit in Betrieben und Firmen sowie auch bei den vielen Ehrenamtlichen selbst. Und entspricht nach Überzeugung von Michael Steindorfner vor allem einem berechtigten Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung. "Es gibt so viele unnötige gesetzliche Regelungen, wenn es um Verbote für die Bürger geht. Es wäre schön, wenn es auch vermehrt Regelungen gäbe, die dem Bürger einen elementaren Vorteil bringen."
Zum Schluß seiner  Rede wies Präsident Michael Steindorfner auf die elf DRK-Altenpflegegehime im Kreis hin, die "auf höchstem Qualitätsniveau" arbeiteten. "Der DRK-Kreisverband Böblingen ist nicht nur größter Träger von Altenpflegeheimen im Landkreis Böblingen. Bei uns stimmen auch Qualität und Preis - das dokumentieren die regelmäßigen freiwilligen und strengen Qualitätsprüfungen, denen sich der DRK-Kreisverband seit vielen Jahren stellt. Auch die inzwischen eingeführten gesetzlichen Prüfungen kommen zu keinen anderen Ergebnissen: Wir erzielen Spitzennoten in allen Bereichen. Die uns anvertrauten Menschen fühlen sich wohl, sicher, sehr gut und individuell betreut. Mit einem Wort: wie zu Hause. Das wissen auch die Angehörigen und schätzen es. Kein Wunder, dass es so gut wie keine freien Plätze in den elf DRK-Altenpflegeheimen des Landkreises Böblingen gibt."
"Abriss wäre bundesweiter Schildbürgerstreich"

Dennoch gebe es einen Punkt, der große Sorge bereite: die Einzelzimmervorgabe in der Landesheimbauverordnung des Landes Baden-Württemberg, wonach es in Pflegeheimen und Heimen für Menschen mit Behinderungen vom 1. September 2019 an im Wesentlichen nur noch Einzelzimmer geben dürfe. "Es ist nicht so, dass wir mit der Zielsetzung einer angemessenen und der Menschenwürde entsprechenden Unterbringung in Einzelzimmern nicht konform gehen würden. Im Gegenteil! Wir erfüllen diese Verordnung in unseren Pflegeheimen schon heute in hohem Maße. Es geht uns aber um eine sinnvolle und flexible Umsetzung dieser Verordnung. So ist beispielsweise in einem unserer – übrigens architektonisch gelungensten - Heime die Umsetzung der Verordnung aus baulichen Gründen schlicht nicht möglich. Es müsste bei rigider Umsetzung der Verordnung in letzter Konsequenz abgerissen werden, obwohl es ansonsten modernsten Anforderungen entspricht. Ein Vorgang, für den, so glaube ich, in der Bevölkerung jegliches Verständnis fehlen würde," erklärte Steindorfner. Er appellierte deshalb nachdrücklich an alle verantwortlichen Stellen, insbesondere die Heimaufsicht und den dafür zuständigen Landkreis, bei der Umsetzung derartiger Verordnungen und Gesetze Praktikabilität und Vernunft walten zu lassen. Dies liege nicht zuletzt im Interesse der Betroffenen sowie einer menschlichen und solidarischen Gesellschaft. Der Präsident wörtlich weiter: "Ich bitte hier ebenso ausdrücklich auch um Rückendeckung aus dem politischen Bereich. Zumal, und darauf möchte ich noch einmal besonders hinweisen, es auch auf diesem Gebiet sehr unterschiedliche Regelungen in den einzelnen Bundesländern gibt. Obwohl es mir geradezu im Innersten meines Herzens widerstrebt, immer wieder auf NRW als Vorbild verweisen zu müssen, ist es dort doch so, dass die Einzelzimmerquote nur zu 75 Prozent erfüllt werden muss. Derartige Unterschiede sind einfach nicht nachvollziehbar und keinem Menschen mehr verständlich zu machen. Deshalb werbe ich heute hier nochmals für vernünftige und praktikable Lösungen. Denn eines steht auch fest: Der Abriss eines Altenpflegeheims im Landkreis Böblingen, das mehrfach, auch in diesem Jahr wieder, mit Spitzennoten zertifiziert wurde und in einem einwandfreien funktionstüchtigen Zustand ist,  wäre ein bundesweiter Schildbürgerstreich

Ansonsten zog der Präsident eine durchweg positive Bilanz und verwies zugleich auf die große Breite der vom DRK-Kreisverband Böblingen angebotenen Hilfen. Dies komme nicht zuletzt wieder im umfangreichen Jahrbuch 2016 zum Ausdruck, das Delegierten wie Gästen zu Beginn der Veranstaltung überreicht wurde. Ein Wort des Dankes sagte der Prsäident abschliessend der großen Zahl von 1800 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, den 1245 haupberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den etwa 1260 aktiven Jugendrotkreuz-Angehörigen sowie den über 24 000 Fördermitgliedern. Ihnen sei es zu verdanken, daß der DRK-Kreisverband Böblingen eine "so hervorragende Bilanz gelebter Menschlichkeit" vorweisen könne.
 
Gesamtbilanzsumme 53,9 Millionen Euro

Ein TOP-Bilanz legte Schatzmeister Wolfgang Frank vor. So erhöhte sich die Gesamtbilanzsumme um 1,7 Millionen auf 53,9 Millionen Euro. Frank konstatierte in diesem Zusammenhang: "Wir sind damit schon seit Jahren in die Dimension eines starken mittelständischen Betriebes hineingewachsen." Die gute und solide Geschäftspolitik des DRK-Kreisbandes Böblingen und seiner hundertprozentigen Tochtergesellschaften sei nicht zuletzt von den Wirtschaftsprüfern gelobt worden. "Dieses Lob tut uns gut".  Frank betonte, die Wirtschaftlichkeit sei auch 2016 das eine wichtige Ziel gewesen, "aber wir haben auch die humanitäre Seite, die Menschlichkeit, nie aus den Augen verloren." Und in Anspielung auf das Jubiläumsjahr 2016 unterstrich der Schatzmeister: "150 Jahre haben uns stark und erfahren gemacht."

Wolfgang Frank zeigte in seinem Bericht auch die zuvor schon von Präsident Steinmdorfner skizzierten Grenzen in verschiedenen Bereichen auf. Man werde gerade in diesen Bereichen in den nächsten Jahren noch eine harte und steinige Wegstrecke zu bewältigen haben. Doch Frank war sich sicher: "Wir schaffen das, weil wir eine gute Mannschaft und gute Argumente haben."

Gesamtes Präsidium entlastet

Revisor Wolfgang Heim bestätigte in seinem Prüfungsbericht, zugleich im Namen seines Kollegen Gerhard Weißenböck, eine einwandfreie Kassenführung. Die Prüfung habe zu keinerlei Beanstandungen geführt. Die Versammlung stellte anschliessend einstimmig den Jahresabschluß zum 31. 12. 2016 fest und entlastete das gesamte Präsidium.

Anstelle von Dr. Ulrich Vonderheid (Leonberg), der aus beruflichen Gründen sein Amt als Vertreter der Ortsvereine im Präsidium zur Verfügung gestellt hatte, wurde Carsten Moll, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Waldenbuch, als Nachfolger gewählt.

Die breite Aufstellung, Wirken und Engagement  des DRK-Kreisverbandes würdigten in kurzen Grußworten der Landtagsabgeordnete Dr. Bernd Murschel, Vize-Landrat Martin Wuttke, DRK-Landesschatzmeister Axel Strunk ("der DRK-Kreisverband Böblingen ist, was die Breite und die Zahlen angeht, eine der tragenden Säulen des Roten Kreuzes im Südwesten") sowie Weil im Schönbuchs Bürgermeister Wolfgang Lahl.

26. October 2017 13:54 Uhr. Alter: 47 Tage