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Wolfgang Heubach
Pressesprecher des DRK-Kreisverbandes Böblingen e. V.


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"Bewusstsein in der Gesellschaft für Solidarität wecken, sonst erleiden wir auf längere Sicht Schriffbruch"

"Wir brauchen Rückenwind aus der Politik", unterstrich Michael Steindorfner, Präsident des DRK-Kreisverbandes Böblingen, in einem Gespräch mit dem CDU-Bundestagskandidaten Marc Biadacz, der die Nachfolge von Clemens Binninger im Deutschen Bundestag im Wahlkreis 260 anstrebt. Steindorfner machte Biadacz dabei ausführlich auf Probleme aufmerksam, die dem Roten Kreuz besonders und teilweise sehr schwer zu schaffen machen.

Andreas Nowack, Guido Wenzel, Michael Steindorfner, Marc Biadacz, Monique Groenewegen und Wolfgang Breidbach (von links).

Um den Besuchstermin im DRK-Zentrum auf dem Flugfeld, an dem neben Präsident Steindorfner auch DRK-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Breidbach, die Geschäftsbereichsleiter Guido Wenzel und Andreas Nowack sowie Monique Groenewegen, Leiterin des Häuslichen DRK-Pflegedienstes, teilnahmen, hatte Biadacz gebeten, um sich über die aktuelle Situation des Roten Kreuzes im Landkreis Böblingen ein persönliches Bild zu verschaffen. Bei dieser Gelegenheit gab es nicht zuletzt ein Wiedersehen mit Monique Groenewegen, in deren Bereich Marc Biadacz von 2000 bis 2001 eineinhalb Jahre lang als Zivildienstleistender tätig war.

Präsident Steindorfner sprach zunächst auf die Einzelzimmervorgabe in Pflegeheimen an, die in Baden-Württemberg zum 1. Sptember 2019 in Kraft tritt. Zwar erfülle der DRK-Kreisverband Böblingen in seinen Altenpflegeheimen diese neue Verordnung in hohem Masse bereits heute schon, doch in einem Heim sei dies aus baulichen Gründen nicht möglich. Es müsste dann abgerissen werden. Michael Steindorfner plädierte aus diesem Grund nachdrücklich für eine vernünftige und praktikable Anwendung von Gesetzen und Verordnungen. Hierzu bedürfe es "der Rückendeckung aus dem politischen Bereich." Kreisgeschäftsführer Wolfgang Breidbach machte in diesem Zusammenhang auf höchst unterschiedliche Regelungen auf diesem Gebiet in den einzelnen Bundesländern aufmerksam. So müsse beispielsweise in Nordrhein-Westfalen die Einzelzimmerquote nur zu 75 Prozent erfüllt werden. "Diese Unterschiede in den einzelnen Bundesländern sind nicht nachvollziehbar", betonte Breidbach.

Eine "Schieflage bei der Finanzierung" konstatierten Steindorfner und Breidbach beim Krankentransport. Im DRK-Kreisverband Böblingen benötige man mindestens 111 Euro pro Transport, angeboten würden jedoch lediglich 79 Euro. Auch hier gebe es erhebliche Unterschiede zu anderen Bundesländern. Etwa zu Nordrhein-Westfalen, wo in Einzelfällen bis zu 260 Euro für den Krankentransport  gezahlt würden. "Bei uns bleibt somit das Defizit hängen und am Schluß fehlt uns dann einfach das Geld, um einen funktionierenden Rettungsdienst im Dienste der Menschen zu gewährleisten", erklärte Präsident Steindorfner. Er warf dabei die generelle Frage auf, "was ist es unserer Gesellschaft wert, wenn es um existentielle Bedürfnisse geht?" Dies sei ein Kernproblem unserer Gesellschaft. "Denn Organisationen wie das Rote Kreuz, die lebensnotwendige Dienste für die Gesellschaft erbringen, haben keine Lobby", stellte der Präsident fest. Er rief aus diesem Grunde  dazu auf, "ein Bewusstsein in der Gesellschaft für Solidarität zu wecken, sonst erleiden wir auf längere Sicht Schriffbruch."

Im weiteren Verlauf des Gesprächs forderte Michael Steindorfner, ein "verpflichtendes soziales Jahr" einzuführen. Und Marc Biadacz gab zu erkennen, dass er persönlich den Zivildienst am liebsten wieder einführen würde. Er bekannte, dass er als Zivildienstleistender beim DRK-Kreisverband Böblingen eine hohe Erfüllung gefunden habe. "In der Altenpflege ebenso wie beim damaligen Gute-Nacht-Dienst. Der Pflegedienst ist mir deshalb sehr wichtig und ans Herz gewachsen."

Andreas Nowack, Geschäftsbereichsleiter Soziale Dienste im DRK-Kreisverband Böblingen, und Monique Groenewegen beklagten unter anderem auf die teilweise "chaotischen Strassenverhältnisse" im Landkreis Böblingen. Dies stelle das Rote Kreuz generell vor große Probleme. Auch bei den Sozialen Diensten sei dies "tagtäglich ein Problem, die den Pflegedienst noch schwieriger machen. Der Druck auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird immer schlimmer. Denn gerade ältere Menschen erwarten zu recht Pünktlichkeit."

Andreas Nowack verwies abschliessend auf die Philosophie seines Bereiches: "Wir sehen uns als Komplettanbieter und möchten dazu beitragen, dass die Menschen so lange wie möglich und so lange es geht, in ihrem jeweiligen Zuhause bleiben können.


19. June 2017 11:00 Uhr. Alter: 157 Tage