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Wolfgang Heubach
Pressesprecher des DRK-Kreisverbandes Böblingen e. V.


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DRK-Präsident Michael Steindorfner an der "Renninger Krippe"

Appell: Gemeinsam um eine menschenwürdige Welt ringen -

"Unsere Werte wieder leben - Krippe ist besonderer Lichtblick"

DRK-Präsident Michael Steindorfner und Irma Sigloch aus Renningen, seit über 70 Jahren ehrenamtlich im Roten Kreuz aktiv, an der Krippe.

Freuen sich über die grosse Resonanz des DRK-Familientreffens an der Krippe (von rechts): DRK-Präsidiumsmitglied Wolfgang Frank, Präsident Michael Steindorfner und Magstadts DRK-Ortsvereinsvorsitzender Wilhelm Vorreiter.

Geschäftsbereichsleiter Guido Wenzel und Kreissozialleiterin Gabriele Vorreiter.

Birgit Bux, Wolfgang Frank und Guido Wenzel.

"Auch uns im Roten Kreuz geht es darum, Menschen beizustehen in ihrer oft sehr vielfältigen Not und Bedrängnis, Menschen zu helfen, wenn sie auf diese Hilfe nicht nur zum Überleben, sondern auch zu einem menschlichen Leben angewiesen sind."  Darauf hat Michael Steindorfner, der Präsident des DRK-Kreisverbandes Böblingen, beim Familientreffen seiner Organisation an der "Renninger Krippe" hingewiesen. Zu der abendlichen Andacht in Martinuskirche im Renninger Stadtteil Malmsheim, in der die Krippe aufgebaut ist, waren zahlreiche Angehörige des Roten Kreuzes aus dem gesamten Landkreis Böblingen gekommen.

Steindorfner erinnerte in diesem Zusammenhang  an das Credo des Rote-Kreuz-Gründers Henry Dunant "helfen, ohne zu frahen wem". Dunant habe bei seinem Handeln nicht nach Nationalität, Rasse, Religion, sozialer Stellung oder politischer Überzeugung gefragt. Aus diesem Grund  gebe es im Roten Kreuz längst gelebte Oekumene und man entspreche damit auch dem Anliegen von Pfarrer Franz Pitzal, der mit der Krippe 2016/15 bewusst an die Reformation von Martin Luther vor 500 Jahren erinnern möchte und sie deshalb auch unter das Motto "ein feste Burg ist unser Gott" gestellt habe.


Der Präsident erklärte in seiner Ansprache, von der Krippe gehe ein helles Licht in der Dunkelheit der Zeit aus. Ein Licht der Hoffnung und Zuversicht, ein Licht, das menschliche Wärme und Zuwendung gebe sowie Brücken baue über Länder und Kontinente hinweg. "Schon lange nicht mehr hatten wir dieses LIcht, das von der Krippe ausgeht, so bitter nötig wie gerade jetzt, wo sich immer mehr Dunkelheit breit zu machen scheint, wo die Beklemmung immer mehr wächst", sagte Michael Steindorfner unter Hinweis auf Terror, Krieg, Mord und Gewalt. Der Präsident zeichnete ein düsteres Bild der aktuellen Situation: In der Flüchtlingspolitik gehe ein Riss durch unsere Gesellschaft, zu den kulturellen Verlustängsten gesellten sich auch materielle und Deutschland sei umzingelt von destruktiven Kräften. Steindorfner nannte Russlands Präsident Putin und dessen Aggressionspolitik  in Europa und Syrien sowie dessen Hackerangriffe ebenso wie Donald Trump, der das traditionelle westliche Wertebündnis in Frage stelle. In Ungarn und Polen regierten Politiker, die an den Grundfesten der Demokratie wie Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit rütteln würden. Und in der Türkei herrsche mit Erdogan ein selbsternannter Sultan. Der Redner erwähnte ferner den Brexit und die rechtspopulistischen Strömungen, die das Haus Europa zum Einsturz bringen wollten. "Wir gehen in dieses Jahr 2017 mit einem Unfrieden, mit einer Unsicherheit, ja, mit einem verfestigten Angstgefühl, wie wir schon lange kein neues Jahr mehr begonnen haben."

"Gemeinsinn und Solidarität"

Um all diesen sorgenvollen Entwicklungen zu begegnen,  engagierten sich im Roten Kreuz unzählige Menschen uneigennützig und unter Einsatz ihrer ganzen Kräfte. Nicht selten würden sie dabei sogar Gefahren für das eigene Leben in Kauf nehmen.
Anstatt den vermeintlich einfachen Weg zu gehen, wie es die Populisten vorgaukelten, gelte es mit Weisheit und Vertrauen auf die eigenen Stärken den schwierigen Weg des Gestaltens einzuschlagen. "Wir müssen die Herausforderungen annehmen, statt die Augen davor zu verschliessen und uns unserer Angst zu ergeben", betonte der Präsident des DRK-Kreisevrbandes Böblingen. Der Redner rief dazu auf, unsere Werte wieder zu leben. "Was wir dazu brauchen, ist Orientierung und  Anlaß zur Zuversicht. Orientierung finden wir Rotkreuzler auch in unseren Grundsätzen der Rotkreuzarbeit. Ganz obenan steht dabei die Menschlichkeit. Und Anlass zur Zuversicht gibt uns das Licht, das auch von dieser Krippe und der Bewegung der Ökumene ausgeht. Lassen Sie uns diesen Glauben an eine gute Zukunft auch den Menschen in Syrien, in Afghanistan, im Sudan, in Ghana oder wo auch immer auf dieser Welt wieder geben." In einer Welt, die zunehmend aus den Fugen zu geraten scheine, "kann und muss uns eine Krippe wie diese ein besonderer Lichtblick und Hoffnungsschimmer dafür sein, dass wir es nicht zulassen werden, der Menschlichkeit  keinen Stellenwert mehr zuzumessen." Steindorfner warb mit Nachdruck dafür, dem wachsenden Individualismus Einhalt zu gebieten und dem Gemeinsinn und der Solidarität zwischen den Menschen wieder mehr Geltung zu verschaffen.


Der Präsient erklärte weiter, das Rote Kreuz stelle sich all den vielfältigen Herausforderungen, "und das gewiss nicht ohne Erfolg." In nahezu allen Lebenslagen versuche seine Organisation, Menschen Hilfe, Schutz, Zuversicht, Mut und Zuflucht zu geben. Schützender Fels und sichere Burg, wie an der Krippe dargestellt, sei auch das Rote Kreuz.  Michael Steinworfner erwähnte dabei den Rettungsdienst und Krankentransport, die Helfer-vor-Ort-Gruppen und ehrenamtlich Aktiven in den Bereitschaften, den Schulsanitätsdienst, die zahllosen sozialen Dienste des DRK-Kreisverbandes Böblingen, die elf DRK-Altenpflegeheime im Landkreis Böblingen, das breitgefächerte Schulungs- und Ausbildungsprogramm, den Notfallnachsorgedienst als  "Erste Hilfe für die Seele" sowie nicht zuletzt das landes- und bundesweit einmalige Pilotprojekt "wieder lachen lernen mit den Dream Doctors". In Zusammenarbeit mit dem "Waldhaus" in Hildrizhausen sowie unterstützt und gefördert durch zahlreiche namhafte und grossherzige Spenden, wende sich dieses Pilotprojekt an schwer traumatisierte Kinder und Jugendliche aus den Kriegsgebieten dieser Welt. Vornehmlich aus dem Nahen und Mittleren Osten, aber auch aus Asien und Afrika.

Sehnsucht nach Frieden

"Und auch hier denke ich wieder an die Renninger Krippe und ihren Mittelpunkt: Die biblische Weihnachtsgeschichte mit der Geburt des Erlösers Jesus Christus. Ein Geschehen, dass über zweitausend Jahre zurück liegt. Jetzt geht es wieder aktuell um Kinder aus dieser Region, vornehmlich aus Syrien, die bei uns Zuflucht, Herberge suchen. Oftmals mutterseelenallein, geschunden und verletzt an Körper und Seele. Nach unendlichen Strapazen und Entbehrungen sind sie zu uns gekommen. In eine für sie völlig fremde Welt und Kultur, ihrer menschlichen und elterlichen Wurzeln beraubt. Hier will unser Pilotprojekt ansetzen. Wir wollen den Hilfesuchenden nicht die Tür vor der Nase zuschlagen. Mit professioneller Hilfe durch das jugendtherapeutisch erfahrene Waldhaus-Team, Dream Doctors aus Israel und inzwischen 24 ehrenamtliche Helferinnen und Helfern aus dem Landkreis Böblingen."  Mit dem Lachen, das jede Sprachgrenze überwinde und eine weltweit verständliche Sprache des Herzens sei, solle jungen Menschen wieder neuer Lebensmut gegeben werden wie persönliche Perspektiven für Schule, einen späteren Beruf und vielleicht auch eines Tages zu einer gefestigten Rückkehr in ihre angestammte Heimat. Ihnen uns allen gemeinsam sei dabei die Hoffnung, ja die Sehnsucht nach Frieden. Frieden auf Erden  - wie es in der Bibel zu lesen sei und sich an der "Renninger Krippe" manifestiere.

Hier schliesse sich der Kreis zum Anliegen der Krippe, der christlichen Weihnachtsbotschaft und einem Grundanliegen des Roten Kreuzes. "Wir alle sind nicht nur zusammen Teile dieser Einen Welt, sondern wissen uns auch einig in dem Bemühen um eine menschenwürdige Welt. So, wie wir auf einen Gott bauen, der uns eine feste Burg ist, so wollen wir auch unsererseits all denen eine feste Burg sein, die als Hilfsbedürftige auf Einlass in eine sichere und feste Burg setzen. Eine Burg, die nicht Bollwerk ist, um Hilfesuchende abzuwehren, sondern die in ihren Mauern auch Hilfesuchenden Schutz gewährt." Präsident Steindorfner erinnerte dabei an einen Ausspruch von Henry Dunant: „Der Feind, unser wahrer Feind, ist nicht die Nachbarnation; es sind Hunger, Kälte, Armut, Unwissenheit, Gewohnheit, Aberglaube und Vorurteile.“ Und fügte hinzu: "Auch Krieg, Verfolgung und Vertreibung. Lassen wir uns deshalb weiterhin gemeinsam von unserem Grundüberzeugungen leiten, die Welt zum Besseren zu verändern. Geleitet vom Stern, der auch über dieser Krippe steht."

Pfarrer Franz Pitzal, der von dem großen Interesse der DRK-Familie des Kreises Böblingen an der Krippe begeistert war, erläuterte zu Beginn des Treffens Aufbau und Anliegen der 37. "Renninger Krippe". Die gehaltvolle musikalische Gestaltung hatte an diesem Abend das Ensemble Le quattro "A" übernommen und zum Schluß gab es noch eine wohl gelungene Überraschungseinlage durch fünf junge Nachwuchskräfte der Renninger Schlüssel-Gesellschaft mit ihrem Engeltanz.

22. January 2017 11:00 Uhr. Alter: 306 Tage