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Wolfgang Heubach
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DRK-Präsident Steindorfner geisselt "unsägliche Brutalität" in den Kriegs- und Krisengebieten der Welt - Auch Sorge um unsere gesellschaftliche Entwicklung - "DRK steht für Menschlichkeit"

Bei seinem traditionellen Weihnachtsempfang hat der Präsident des DRK-Kreisverbandes Böblingen, Michael Steindorfner, seine grosse Sorge darüber geäußert, "dass angesichts des auch bei uns zunehmenden Auseinanderbrechens gesellschaftlicher Strukturen und des Verlustes eines Wertekanons, einer immer noch weiter zunehmenden Individualisierung der Bedürfnisse und einer damit nicht selten einhergehenden Verrohung im Umgang miteinander, die Menschlichkeit auch immer mehr auf der Strecke bleiben wird."

Ernst und nachdenklich: Präsident Michael Steindorfner.

Edi Gneist trug ein besinnliches Gedicht vor.

Anhand einiger Beispiele stellte Steindorfner beim Empfang im neuen DRK-Zentrum auf dem Flugfeld Böblingen-Sindelfingen die Frage:  "Wollen wir wirklich wieder in eine längst überwunden geglaubte Vergangenheit zurückfallen, in der die Achtung des Mitmenschen wenig bis gar nichts zählte."
 
Auf den Konflikt in Syrien eingehend, sagte der Präsident, dort sei jede menschliche Regung abhanden gekommen, egal auf welche Seite der Kämpfenden man schaue. Dort würden  Frauen, Männer und Kinder als menschliche Schutzschilde missbraucht, Kinder aus den Trümmern zerbombter Gebäude herausgezogen und in Krankenhäusern zu Tode kommen, die von den Bomben ebenfalls nicht verschont würden. "Was ist das für eine Welt geworden! Glaubten wir nicht vor über 70 Jahren nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, so etwas würde sich nie mehr wiederholen, die Menschen würden ihre Lehren aus dem Desaster von Elend und Leid ziehen?", stellte Steindorfner erschüttert fest.


"Das alles kann uns als Rotes Kreuz nicht egal sein und wir können und dürfen angesichts der brutalen Verletzungen der Menschenrechte nicht mit einem Achselzucken unsere Ohnmacht zum Ausdruck bringen und dann zur Tagesordnung übergehen. Wir müssen darauf aufmerksam machen, was da in der Welt um uns herum passiert und so ins Bewusstsein der Leute rufen, dass auch wir bei uns aufpassen müssen, damit Friede und Sicherheit sowie der gesellschaftliche Zusammenhalt angesichts zunehmender Brutalität und Rücksichtlosigkeit gegenüber Mitmenschen keinen Schaden nehmen."

Karl Jaspers zitiert

Im Blick auf das Jahr 2016,  in dem die bereits angesprochene unsägliche Brutalität gegen Menschen in den Kriegs- und Krisengebieten die Welt erschüttere, in dem Europa mit seinen Auflösungstendenzen und seiner politischen Uneinigkeit immer mehr an den Rand des Abgrunds gerate, könne man schon versucht sein, die Hoffnung aufzugeben und der Resignation Platz zu machen. "Aber, so habe ich es einmal bei dem Philosoph Karl Jaspers gelesen: Hoffnungslosigkeit wäre die vorweggenommene Niederlage. Darum bin ich der festen Meinung, dass wir in unserem Wirken im Roten Kreuz für mehr Menschlichkeit nicht nachlassen dürfen, möge um uns herum die Welt auch immer mehr im Chaos versinken. Wir haben es in der Hand wie es bei uns herum aussieht - in unserer Gesellschaft und auch bei uns hier im DRK-Kreisverband Böblingen", betonte Michael Steindorfner.

Der Präsident warnte davor, dem Irrglauben zu verfallen, dass „Glück immer nur das ist, was wir uns wünschen, und nicht das, was wir haben“ – wie es der deutsche Schriftsteller Horst Wolfram Geißler so treffend ausgedrückt habe. In diesem Sinne rief der Redner dazu auf, mit Zuversicht in das neue Jahr 2017 zu gehen. Die Angehörigen des Roten Kreuzes würden mit ihrer Arbeit und ihrem Einsatz vielen Menschen die Hoffnung geben, dass es auf dieser Welt doch noch so etwas wie Menschlichkeit und füreinander Dasein gebe. "Glück ist nämlich das, was wir haben, und wir haben unglaublich viel im Vergleich zu Millionen Menschen auf der Welt, die Unsägliches erleiden. Freuen Sie sich daher an dem Glück, das Sie haben und warten Sie nicht auf das Glück, das Sie sich wünschen. Lassen Sie uns mit vereinten Kräften auch im neuen Jahr dafür arbeiten, wofür das Rote Kreuz vor allem steht: Für mehr Menschlichkeit", erklärte Michael Steindorfner.

Zwei besondere Ereignisse

Der Beginn seiner Rede hatte sich mit dem DRK-Kreisverband Böblingen beschäftigt. Dabei betonte Präsident Steindorfner, die erfolgreiche Arbeit in der Rotkreuzarbeit und im DRK-Zentrum gründe sich in erster Linie auf die Stärken aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie auf deren Initiative, Kreativität, Tatkraft und Engagement. "Wir gehen alle immer so selbstverständlich davon aus, dass das alles schon funktioniert und läuft. Das tut es aber nur, weil Sie alle, jede und jeder an ihrer und seiner Stelle einen enorm wichtigen Beitrag zum Gelingen des Ganzen leisten. Unsere Erfolge beruhen darauf, dass wir alle Aufgaben und Probleme gemeinsam angehen, dass sich viele Einzelne für das Funktionieren verantwortlich fühlen und so den Erfolg unserer Arbeit für unsere Mitmenschen sicherstellen." Diese gute Arbeit verdiene großen Dank und seine persönliche Wertschätzung.
 
Das Jahr 2016 2016 sei in seiner Außenwirkung der Rot-Kreuz-Arbeit vor allem von zwei Ereignissen gekennzeichnet gewesen: Zum einen das 150-jährige Bestehen des DRK-Kreisverbands Böblingen und zum anderen das Projekt „Wieder lachen lernen mit den Dream-Doctors“, mit dem man traumatisierten Flüchtlingskindern  und Jugendlichen zur Seite stehen wolle.
 
"Wir wollten mit dem Programm des Festakts die Idee unseres Gründers des Roten Kreuzes Henry Dunant „Helfen, ohne zu fragen wem“ wieder in die Herzen der Menschen tragen. Ich denke, das ist uns auf hervorragende Weise gelungen. Auch an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle, die dafür einen Beitrag geleistet haben. Es wird uns unvergessen bleiben, welch schauspielerisches und pantomimisches Können unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, wenn sie ganz unverhofft und unvermittelt von einem der weltbesten Clowns auf die Bühne gerufen werden. Es war einfach toll, wie Ihr mitgemacht habt. Das gilt auch für die vielen anderen Unternehmungen im Zusammenhang mit dem Jubiläum, angefangen von den selbstgestalteten Briefmarken über die sonstigen Jubiläumsartikel, die Gestaltung der Festschrift, die Beiträge im Rotkreuzbericht und noch vieles andere mehr", resümierte Michael Steindorfner.

"Lichtblick und Hoffnungsschimmer"

Auch das Projekt „Wieder lachen lernen mit den Dream Doctors“ habe unglaublich viel Zeit und Aufwand gekostet. Der Präsident wertete es als großen Erfolg, 24 ehrenamtliche Clowns für dieses landes- und bundesweit einmalige Pilotprojekt gewinnen und in der ersten Novemberwoche von den israelischen Clowns ausbilden zu können. "Das Projekt ist gestartet und es steht gerade uns als Rotes Kreuz gut zu Gesicht. Ich danke allen, die daran mitgewirkt haben, dieses Projekt zusammen mit der Waldhaus gGmbH zum Laufen zu bringen. Es war ein hartes Stück Arbeit und auch diese hat sich jetzt schon gelohnt." In einer Welt, die zunehmend aus den Fugen zu geraten scheine, seien solche Aktionen ein besonderer Lichtblick und Hoffnungsschimmer dafür, dass es mit der Menschlichkeit vielleicht doch nicht so schlecht steht, wie wir eigentlich angesichts der bedrückenden Nachrichten in den Medien versucht sind zu glauben.
 
Im Rahmen des Weihnachtsempfangs des Präsidenten trug Edi Gneist ein besinnliches Gedicht vor. An der Veranstaltung im Großen Foyer des neuen DRK-Zentrums nahmen unter anderem auch die Präsidiumsmitglieder Wolfgang Frank und Reinhard Müller, Kreisgeschäftsführer Wolfgang Breidbach, der stellvertretende Kreisgeschäftsführer Jürgen Kalbfell, die Geschäftsbereichsleiter Guido Wenzel, Andreas Nowack, Klaus-Dieter Grossnick, Rettungsdienstleiter Gerhard Fuchs sowie Dr. Reimer Gschwend, der ärztliche Verantwortliche für den Rettungsdienst teil. An den stilvoll vorweihnachtlich geschmückten Tischen wurde zum Abschluss ein warmes Bufett gereicht.

16. December 2016 11:00 Uhr. Alter: 342 Tage