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Wolfgang Heubach
Pressesprecher des DRK-Kreisverbandes Böblingen e. V.


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DRK-Präsident Steindorfner im Blick auf die Flüchtlingssituation: Helfen, ohne zu fragen wem

"Helfen, ohne zu fragen wem". Auf diesen Satz von Henry Dunant hat Michael Steindorfner, Präsident des DRK-Kreisverbandes Böblingen, am Freitagabend bei der Jahreshauptversammlung seines Verbandes in der Schönbuchhalle Hildrizhausen hingewiesen.

Zufriedene Gesichter (von links): Landrat Roland Bernhard, DRK-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Breidbach, Präsident Michael Steindorfner und Dr. Reiner Heeb, Ehrenvorsitzender des DRK-Kreisverbandes Böblingen.

Erfolgreiche Bilanz gezogen (von links): Dietmar Brösamle, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Hildrizhausen, Hildrizhausens Bürgermeister Matthias Schöck und Michael Steindorfner, Präsident des DRK-Kreisverbandes Böblingen.

DRK-Vizepräsident Dr. Bernd Vöhringer, Dietmar Brösamle, Bürgermeister Matthias Schöck und DRK-Kreisschatzmeister Wolfgang Frank (von links).

Präsident Michael Steindorfner, Kreisgeschäftsführer Wolfgang Breidbach und der stellvertretende DRK-Schatzmeister Bürgermeister Nico Lauxmann (von links).

Gerade in der aktuellen Flüchtlingssituation sei dies für das Rote Kreuz Programm. "Dafür steht das Rote Kreuz im Landkreis Böblingen mit einer gut aufgestellten Mannschaft, mit einer auf hohem Qualitätsniveau arbeitenden Organisation sowie mit einem wirtschaftlich auf soliden Beinen stehenden Verband", erklärte der Präsident.

Steindorfner sagte, Deutschland erlebe seit Wochen und Monaten den grössten Flüchtlingszustrom seit über 25 Jahren. Dies stelle eine extreme Herausforderung auch für das Rote Kreuz dar. Bundesweit unterstütze das Rote Kreuz die staatlichen Stellen gegenwärtig in 180 Notunterkünften. 7 000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sowie 2 000 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitatrbeiter seien im Rahmen der Flüchtlingsnothilfe aktuell bundesweit im Einsatz. "Auch wir im Kreis Böblingen unterstützen die staatlichen Stellen, wo wir nur können", betonte der Präsident. "Wir sind schwerpunktmässig bei der Verpflegung und Unterbringung, beim Herrichten von Notunterkünften, aber auch bei der sozialen Betreuung vor Ort in den Heimen tätig und bieten auch in Ortsvereinen oder beispielsweise in Asyl-Cafés den Kontakt zwischen Flüchtlingen und einheimischer Bevölkerung an. Was unsere ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - die Rotkreuz-Grundsätze stets im Geiste - hier zum Teil sehr spontan, oft in der Nacht und nicht selten ganz auf die Schnelle leisten, das ist gewaltig und enorm beeindruckend."

Michael Steindorfner erinnerte daran, dass er bereits im vergangenen Jahr, in dem sich die auf uns zurollende Flüchtlingswelle schon abgezeichnet habe, deutlich gemacht habe, "dass wir für jedwede Hilfe und Unterstützung des Landkreises und der Kommunen bereit sind und zur Verfügung stehen. Wir stehen zu unserem Wort." Neben anderen Beispielen machte dies der Präsident auch an den Räumlichkeiten der seitherigen DRK-Kreisgeschäftsstelle in der Waldenbucher Strasse in Sindelfingen deutlich: "Wir haben uns trotz eines ernsthaften Interessenten für den Ankauf des Gebäudes angesichts der Unterbringungsnot der Flüchtlinge kurzfristig umentschieden und die Räume dem Landkreis als Unterkunft für Flüchtlinge angeboten." Der Landkreis habe das Angebot angenommen und wolle nun das Gebäude anmieten, so daß schon in wenigen Tagen Flüchtlinge dort untergebracht werden können.

Unter Hinweis auf den Präsidenten des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg, Dr. Lorenz Menz, der die Flüchtlingswelle als grösste humanitäre Herausforderung seit dem Krieg bezeichnet habe, sagte Michael Steindorfner, "das Ehrebnamt war noch nie so spontan, so flächendeckend und anhaltend gefordert wie derzeit." Deshalb habe Dr. Menz in diesem Zusammenhang Recht mit der Feststellung, dass die Grenzen der Belastbarkeit der DRK-Ehrenamtlichen erreicht sei. Steindorfner bekräftigte, trotz der prekären Lage gebe es für Menschlichkeit weder Grenzen  noch Obergrenzen. Aber er müsse zusammen mit Dr. Menz auch darauf hinweisen, dass die Resourcen des Roten Kreuzes nicht unbegrenzt seien. "Wo keine Feldbetten mehr  zu haben sind, können auch keine mehr von uns aufgestellt werden. Und wo ehrenamtlich tätige Kräfte vom Arbeitgeber nicht mehr frei gestellt werden oder der Verdienstausfall nicht zwingend ausgeglichen wird, wo die  kräftemässigen Resourcen beim Dauereinsatz mangels Schlaf und Erholung nicht mehr ausreichen, da stossen wir auch im Roten Kreuz an unsere Grenzen. Dennoch gilt: Wir helfen, wo wir können." Politik und Verwaltung könnten diesen erklärten Willen zur Hilfe durch klare Vorgaben und vor allem durch eindeutige und nachvollziehbare Entscheidungsstrukturen erleichtern.

"Ein fast eheähnliches Verhältnis"

Dr. Lorenz Menz, der Präsident des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg, wies in einer Grussadresse an die Delegierten des DRK-Kreisverbandes darauf hin, dass man in der Flüchtlingsfrage erst am Anfang einer Bewährungsprobe stehe. Die Willkommenskultur müsse nach seiner Ansicht in eine Alltagskultur übergeleitet werden. Die Bewältigung der Flüchtlingsfrage sei eine sehr langfristige Zukunftsaufgabe, die Geduld verlange.

Dem DRK-Kreisverband Böblingen stellte Dr. Menz im übrige die Note "sehr gut" aus. Dabei würdigte er insbesondere das Wirken seines Kollegen Michael Steindorfner sowie von DRK-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Breidbach. Als weiteres zentrales Anliegen seiner Organisation bezeichnete Dr. Menz die Jugendarbeit.

Landrat Roland Bernhard stellte vor den Rot-Kreuz-Delegierten des Kreises Böblingen in der Schönbuchhalle Huildrizhausen fest: "Der Landkreis weiss, was er an seinem Roten Kreuz hat." Es sei "ein fast eheähnliches Verhältnis." Der DRK-Kreisverband Böblingen leiste auf allen Gebieten hervorragende Arbeit. Landrat Roland Bernhard bedankte sich ferner dafür, dass der DRK-Kreisverband die frühere Kreisgeschäftsstelle dem Landkreis zur Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt habe. "Dafür muss ich Ihnen ausdrücklich ein Kompliment machen."

Auch der Böblinger Landtagsabgeordnete Paul Nemeth sparte nicht mit anerkennenden Worten: Es sei beachtlich, was im DRK-Kreisverband im Ehren- und im Hauptamt geleistet werde. Der Kreisverband Böblingen habe die Dimension eines beachtlichen mittelständischen Betriebes. "Das Rote Kreuz leistet Dinge, die der Staat nicht leisten kann." Nemeth bescheinigte dabei dem Roten Kreuz. die richtigen Tugenden zu haben, um diesen Dienst überhaupt leisten zu können.

Auch die Flüchtlingsthematik zu sprechen kommend, drückte der Landtagsabgeordnete, der zugleich im Namen seiner Kollegen Richard Pitterle (Bundestag) und Dr. Bernd Murschel (Landtag) Grüsse überbrachte, seine persönliche große Sorge darüber aus, was in den nächsten Wochen und Monaten auf uns zukomme. Die Herausforderung sei riesengroß. Aber andererseits sei es auch notwendig, daß die Politik ihren Fokus auch auf andere Dinge richte.

Nemeth: Vielleicht brauchen wir verpflichtendes soziales Jahr

Paul Nemeth plädierte in der Flüchtlingsfrage für europäische Quoten und forderte dazu auf, keine falschen Anreize zu setzen. Auch im Zusamenhang mit anderen gesellschaftlichen Entwicklungen, die zuvor in einer Talkrunde mit Kreissozialleiterin Gabriele Vorreiter, dem stellvertretenden Kreisbereitschaftsleiter Hans-Albert Binder sowie Kreisjugendleiter Manuel Riehm angeschnitten wurden,  sei zu überlegen, möglicherweise ein verpflichtendes soziales Jahr einzuführen. Abschlieswend zollte auch der Landtagsabgeordnete Präsident Steindorfner für dessen Arbeit und Persönlichkeit höchste Anerkennung.

Respekt und Anerkennung drückte ebenso Hildrizhausens Bürgermeister Matthias Schöck für die Arbeit des DRK-Kreisverbandes Böblingen aus. In seiner Dankadresse nannte Bürgermeister Schöck dabei ausdrücklich das Ehren- und das Hauptamt. Hildrizhausens Ortsoberhaupt vergass aber auch das Engament seines DRK-Ortsvereins nicht, der tags darauf sein 50-jähriges Bestehen feierte.

Dietmar Brösamle, der Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Hildrizhausen, wies auf die vier Säulen seines Ortsvereins hin: Bereitschaft, Helfer-vor-Ort-Gruppe, Sozialarbeit und Jugendarbeit. Ohne ehrenamtliche Tätigkeit würde unsere Sozialgesellschaft nicht mehr funktionieren. "Das Ehrenamt ist Dreh- und Angelpunkt", unterstrich Brösamle. Auch er rief dazu auf, auf neue Herausforderungen vorbereitet zu sein.

Schriftliche Grüsse hatte der Bundestagsabgeordnete Clemens Binninger übermittelt. Er bescheinigte dem Roten Kreuz, in vielen Bereichen Unverzichtbares zu leisten. "Sie sind aber auch da, wenn es darum geht, Aufgaben umzusetzen, deren Auswirkungen sich erst mittel- und längerfristig zeigen".

Frank: Schreiben schwarze Zahlen

Schatzmeister Wolfgang Frank hatte bei der Erläuterung der Jahres Rechnung 2014 von einem "soliden finanziellen Fundament des DRK-Kreisverbandes Böblingen" gesprochen. Man habe in den vergangenen Jahren gut vorgesorgt. "Wir können auch in den kommen Jahren gut wirtschaften." Franks Bilanz: "Wir schreiben schwarze Zahlen. Mehr wollen wir nicht."

DIes bestätigte in vollem Umfang und ohne jeden Abstrich Rechnungsprüfer Wolfgang Heim ("keinerlei Beanstandungen") und schlug .die Entlastung des gesamten Präsidiums vor. Diese wurde von der Versammlung mit überwältigender Mehrheit erteilt.

2016, dem 150. Jubiläumsjahr des DRK-Kreisverbandes Böblingen, findet die Jahreshauptversammlung am 7. Oktober 2016 in Herrenberg statt.

9. October 2015 11:03 Uhr. Alter: 2 Jahre