Präsident Michael Steindorfner an der Krippe in Malmsheim:
"Die Nächstenliebe steht im Mittelpunkt unseres Handelns und ist die Kernbotschaft des Roten Kreuzes"
"Die Liebe zu den Menschen, die uns Gott mit der Kindwerdung seines Sohnes als Geschenk zuteil werden ließ, sie ist es, die wir mitnehmen von dieser Krippe in unseren täglichen Einsatz, woraus wir Hoffnung schöpfen, Zuversicht, Freude und Kraft. Es ist ein unglaublich großzügiges Geschenk, diese Liebe, und wir können dafür unserem Herrn und Schöpfer an dieser Krippe nur ein Wort aus vollem Herzen sagen: Danke!" Dies erklärte der Präsident des DRK-Kreisverbandes Böblingen, Michael Steindorfner, bei dem inzwischen zur Tradition gewordenen Treffen der DRK-Ortsvereine und -Gruppen des DRK-Kreisverbandes Böblingen an der Krippe in Malmsheim. Die inzwischen 32. Renninger Krippe - wie sie offiziell heisst - stand unter dem Leitspruch "Als Kind kam er in unsere Welt."
Steindorfner zollte Pfarrer Franz Pitzal, dem Intiatiator, Gestalter und unermüdlichen Ideengeber der weit über Kreis und Land hinaus bekannten Renninger Krippe, die in der St.Martinskirche im Stadtteil Malmsheim aufgebaut ist, großes Lob: "Sie wollen uns damit nicht nur das weihnachtliche Geschehen nahe bringen, sondern uns mit dieser Krippe und diesem Thema hinausführen in das aktuelle Weltgeschehen. Ohne Zweifel gelingt es Ihnen Jahr für Jahr immer wieder auf beeindruckende Art und Weise, dieses Weltgeschehen uns in phantastischen Darstellungen noch einmal vor Augen zu führen, Erinnerungen wach werden zu lassen und die Rückbesinnung auf zwischenzeitlich fast schon wieder Vergessenes zu fordern".
Mit der Malmsheimer Krippe solle eine Brücke geschlagen werden von diesem Weltgeschehen zu der ihr zugrundeliegenden Botschaft, die von Weihnachten ausgeht, eine Brücke zu den Sinnen und vor allem auch zu den Herzen der Menschen, die diese Krippe besuchen, sagte der Präsident des DRK-Kreisverbandes Böblingen. Das Leitthema der diesjährigen Malmsheimer Krippe sei so gewaltig in seiner Aussage, dass wohl viele Krippen dieser Art, wenn es sie denn gäbe, es nicht komplett ausloten und erfassen könnten. Steindorfner erzählte in diesem Zusammenhang eine Geschichte, die er bei einem Besuch des Augustiner-Chorherren-Stifts in St. Florian nahe der Stadt Linz im vergangenen Jahr gelesen hat: Der große österreichische Komponist Anton Bruckner (1824 – 1896), der am liebsten auf seiner Orgel in eben diesem Stift St. Florian spielte und dort auch begraben liegt, spielte, wie es seine Aufgabe war, auch in der Christmette die Orgel. Nach der Messe ließ er sich in der Kirche einsperren. Am nächsten Morgen fand ihn der Mesner im tiefen Gebet versunken vor der Krippe. Auf die Frage des Mesners, was er denn hier noch mache, antwortete Bruckner: „Ich bin einfach nicht fertig geworden damit, dass ER Mensch geworden ist.“
"Hoffnung geben"
"Und wir, sind wir schon fertig geworden damit, was uns hier Wunderbares, ja geradezu Unglaubliches verkündet wird? So unglaublich übrigens, dass ein Drittel der Deutschen – wohlgemerkt ein ganzes Drittel! – inzwischen das Weihnachtsevangelium von Lukas für ein Märchen der Gebrüder Grimm hält. Können wir noch wie Bruckner staunen darüber, dass der allmächtige Gott sich so klein macht und uns in einem hilflosen Kind in einem so armseligen Ambiente begegnet?", fragte Michael Steindorfner. Unter Hinweis auf Katastrophen, Unglücksfälle, Morde, Verletzungen physischer und psychischer Art sowie einer Gleichgültigkeit gegenüber Not, Elend, Armut und Hilflosigkeit schloß der Präsident eine weitere Frage an: "Wozu kam denn dann eigentlich das Kind in unsere Welt, wenn sich doch nichts ändert?" Steindorfner gab in Anlehnung an den Petrusbrief, nach dem vor zwei Jahren die Krippe gestaltet wurde, auch gleich die Antwort: "Damit ihr Hoffnung habt !" Dieses "Hoffnung geben" sei nicht zuletzt Basis und Stütze in der Tätigkeit von Hilfsdiensten wie der Polizei, der Feuerwehr und dem Roten Kreuz. Aus diesem Grunde habe auch das aktuelle Thema der Krippe unglaublich viel beispielsweise mit dem Roten Kreuz zu tun: "Gottes Ratschlag und Zielsetzung, als er seinen Sohn als Kind in diese Welt schickte, finden sich in der Motivation des Roten Kreuzes und den vielen Hundertausenden seiner aktiven Helferinnen und Helfer wieder, ja unser ganzes Denken und Handeln im Roten Kreuz ist davon bestimmt. Es ist die Treibfeder aller unserer Aktivitäten: zu helfen „Aus Liebe zum Menschen“.
Aus Liebe zu den Menschen habe Gott seinen Sohn in diese Welt geschickt. Aus Liebe zum Menschen würden sich auch die Rotkreuzkameradinnen und -kameraden auf den Weg zu ihren Einsätzen machen und würden dabei viel an Einbußen und selbst Gefahr für Leib und Leben in Kauf nehmen, um anderen zur Seite zu stehen. "Sie geben mit ihrem Handeln ein Zeichen der Liebe und gewiss auch der Hoffnung, dass die Botschaft Gottes nicht ungehört verhallt, wenn Helfer des Roten Kreuzes beispielsweise in Haiti nach verschütteten Erdbebenopfern suchen und schwerverletzte und traumatisierte Opfer versorgen, wenn sie den Hinterbliebenen der Opfer, die alles verloren haben und deren Leid ins Unermessliche wächst, zur Seite stehen".
"Den Menschen zur Seite stehen"
Das Rote Kreuz habe bei der schrecklichen Katastrophe von Fukushima geholfen, die auch in der Krippe ganz nah ins Zentrum des weihnachtlichen Geschehens gerückt worden sei. "Und ich fand es ein ebenso bemerkenswertes wie bewundernswertes Zeichen der Solidarität, wie hier in Renningen in einem von der Musikschule veranstalteten Benefizkonzert spontan finanzielle Hilfe für die betroffenen Menschen in Japan geleistet wurde", sagte Michael Steindorfner. Das Rote Kreuz sei den Menschen auch bei in der Flutkatastrophe in Pakistan oder Indien, der Hungersnot am Horn von Afrika, bei den schweren Erdbeben in der Türkei und bei unzähligen kriegerischen Auseinandersetzungen in der ganzen Welt sowie zahlreichen weiteren Projekten der Auslandshilfe auch im Jahre 2011 zur Seite gestanden. "Wie schnell sind manche dieser so schrecklichen Ereignisse wenige Monate danach schon wieder vergessen, weil neue Katastrophen und Unglücksfälle sich ereignen oder wie jetzt durch den Untergang eines Kreuzfahrtschiffes in den Hintergrund treten. Das Rote Kreuz hilft aber auch heute noch in Haiti und ist auch bei den Unglücksfällen morgen wieder zur Stelle: Aus Liebe zu den Menschen, ganz wie es uns die Weihnachtsbotschaft über den Tag des Weihnachtsfestes hinaus vermittelt und gebietet", betonte Präsident Steindorfner
Tagaus, tagein leiste das Rote Kreuz so seinen Dienst an hilfebedürftigen und notleidenden Menschen auch bei uns in der Region, sei es nach Verkehrsunfällen, Unglücksfällen bei der Arbeit oder zu Hause, bei plötzlich eintretender Gesundheitsgefährdung oder in der Zuwendung und Pflege unserer älteren Mitmenschen, bei Mittagstischen für Senioren oder Obdachlosen, bei der Aufnahme und Versorgung sozial bedürftiger Menschen, um nur einige wenige Beispiele anzuführen. Sozialarbeit, Pflege, Rettungswesen, Katastrophenschutz, Auslandshilfe, Jugendarbeit: Die Arbeit des Roten Kreuzes sei vielfältig. "Das Engagement der Menschen im Roten Kreuz aber nur in diese Kategorien und Schubladen zu stecken, würde der Motivation und Leistung dieser Menschen nicht gerecht werden. Mit über tausend hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, weiteren annähernd 1.500 ehrenamtlich tätigen aktiven Mitgliedern und fast 1000 Helferinnen und Helfern im Jugendrotkreuz allein im DRK-Kreisverband Böblingen erbringen wir Dienste für unsere Mitmenschen. Tagtäglich bringen sich die Ehrenamtlichen in den 25 Ortsvereinen unseres Kreisverbandes für die Mitmenschen ein und opfern hierfür einen großen Teil ihrer Freizeit. Sie leisten einen aufopferungsvollen Dienst bei den Helfer-vor-Ort-Gruppen und dem Notfallnachsorgedienst, den Besuchsdiensten in Pflegeheimen, beim Mittagstisch für Senioren, bei Blutspenden oder Schulsanitätsdiensten. Sie wirken im Stillen in den Ortsvereinen, ohne dabei im Rampenlicht der Öffentlichkeit zu stehen", unterstrich Steindorfner. Er erwähne dies alles nicht, um mit den Leistungen zu beeindrucken, oder gar zu prahlen. Vielmehr sage er es, um die Motivation dieser Menschen im Roten Kreuz sowie bei anderen Hilfsdiensten herauszustellen: Sie alle handelten nämlich „Aus Liebe zum Menschen.“ Der Österreichische Präsident des Roten Kreuzes habe dies noch ergänzt und gesagt: „Aus Liebe zum Menschen ist dabei mehr als nur ein Slogan. Es ist ein Wegweiser, eine Haltung, die unser Tun und unser Miteinander prägt. Die Herzen von Menschen erobern die, die mit Idealismus vorangehen. Diejenigen, die Dinge der Sache wegen tun, und nicht aus Kalkül.“
Was wirklich zählt
Was nämlich wirklich zähle bei der Arbeit im Roten Kreuz seien nicht die Zahlen und Fakten, sondern die konkrete Hilfeleistung vor Ort, der Idealismus und der Einsatz jedes Einzelnen, seine Begeisterung, seine Leidenschaft für die gute Sache, seine Motivation, aus der heraus er sein Handeln ableite: Aus Liebe zum Menschen. Aus Liebe zum Menschen habe Gott seinen Sohn als Kind in die Welt geschickt. "Diese Liebe Gottes ist es, die auch uns in unserem Wirken beeinflusst, die uns trägt und die uns bei allem Elend dieser Welt auch immer wieder Hoffnung gibt, dass unser Einsatz nicht umsonst ist. Welche intensivere Beziehung zu dieser durch die Menschwerdung Gottes zum Ausdruck kommende Liebe unseres Schöpfers zu den Menschen kann es denn für das Rote Kreuz geben, als selbst bei unserem Handeln diese Liebe in den Mittelpunkt zu stellen! Und noch eines verbindet unser Tun im Roten Kreuz ganz besonders mit dieser Kindwerdung Gottes. Als hilfloses Kind kam Jesus auf die Welt. Und welcher Rotkreuzler würde sich nicht bei dem Wort hilflos gleich in besonderer Weise herausgefordert fühlen. Gott stellt sich hilfsbedürftigen Menschen gleich, er geht unter die Schutzbedürftigen und stellt sich so dem Elend dieser Welt. Er will ihnen aber so auch zur Seite stehen und zeigen, dass er weiß, wie Not heißt und vor allem, wie sie sich anfühlt, bis hin zu seinem Tod am Kreuz. Wer wollte in dieser Solidarität mit den Hilfsbedürftigen ihm nicht nacheifern in der Unterstützung. Er fordert uns heraus, alles in unserer Kraft Stehende zu tun, wenigstens einen Teil dieser unendlichen Liebe Gottes auch unter den Menschen weiter zu geben. Diese Nächstenliebe verlangt nicht nach großen Proklamationen, großen Geistern oder besonders bedeutsamen Persönlichkeiten. Sie verlangt eher Demut und Bescheidenheit", sagte Michael Steindorfner.
Ein menschliches Herz haben
Den Hilfebedürftigen zur Seite stehen, verlange auch heutzutage einfach nur ein menschliches Herz und keine großen Worte oder irgendein besonderes Spektakel. "Ein menschliches Herz kann jeder von uns haben, wenn er nur will. Menschen in ihrer Not beizustehen, aus Liebe zum Menschen zu handeln: das ist die Kernbotschaft des Roten Kreuzes, ein Versprechen und eine Verpflichtung zugleich. Dies ist das Motiv, warum wir uns im Roten Kreuz engagieren, warum wir uns über 100 Jahre nach dem Tode unseres Gründers Henry Dunant immer wieder jeden Tag neu dafür einsetzen, unseren Mitbürgern zu helfen", unterstrich Michael Steindorfner.


